Zum Tage

O felicem virum, beatum Joseph!
cui datum est Deum,
quem multi reges voluerunt
videre et non viderunt,
audire et non audierunt,
non solum videre et audire,
sed portare et complecti,
deosculari et custodire!

Jean de Charlier de Gerson, O felicem virum (~1400)
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Ein Tag in Lisieux – Theresia besucht Thérèse (Premium-Beitrag)

Am Dienstag war ein großer Tag im Leben der Autorin dieses kleinen Blogs. Ich fuhr tatsächlich das erste Mal in meinem Leben nach Lisieux, den Ort meiner Namenspatronin. In diesem Beitrag möchte ich diesen Tag umfassend beschreiben – er soll aber zugleich als Ratgeber für Gelegenheits- oder Stamm-Leser dienen, die selbst einmal einen Tag in Lisieux verbringen wollen und sich überlegen, wie sie das am besten anstellen.

Mit dem Zug von Paris aus ist Lisieux ganz prima zu erreichen. Wer also erwägt, ein paar Tage die Hauptstadt zu besuchen, kann sich das problemlos als Tagesausflug einplanen. Mein Zug fuhr um 8.45 Uhr los und um halb elf war ich am Bahnhof in Lisieux. Im Zug las ich eigentlich durchgehend in einer der vielen Biographien über Thérèse. Das bietet sich besonders an, um sich schon ein wenig auf den Tag einzustimmen und so war ich bereits gedanklich ganz in ihrer Welt, als ich in einen sonnigen Tag ausstieg.

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Und plötzlich ist man in Lisieux

Von Anfang an war diese Reise behütet. Ich brauchte nämlich noch unbedingt eine Postbank zwecks Bargeld, fand diese aber ohne auf die Karte zu gucken in unmittelbarer Nähe des Karmel. Vom Bahnhof aus ist man sofort im Stadtzentrum. Da ich noch kurz Zeit hatte, besorgte ich mir zuerst Stadtpläne und Info-Flyer in der Touristeninformation. Auch diese liegt sehr zentral und z.T. sind die Broschüren sogar auf Deutsch.

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Broschüren mit Stadtplänen und den wichtigsten theresianischen Orten bekommt man in der Touri-Info.

Der Karmel

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Der Karmel

Dann kam meine erste Station: Der Karmel. Zuallererst verweilte ich ein wenig an dem Reliquienschrein. 1923 waren die Gebeine der hl. Thérèse vom Karmel-Friedhof in die Kirche überführt worden.

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Der Reliquienschrein mit einer Statue von Thérèse in ihrer Sterbehaltung.

Dann konnte ich den Tag mit einer hl. Messe beginnen. Im Karmel gibt es täglich um 8.00 Uhr, 9.00 Uhr (mit den Karmelitinnen) und um 11.15 Uhr die Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch. Der Priester war noch jung und ganz wunderbar.

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Die Kirche des Karmel

Ausgehend vom Lesungstext („In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“, Apg 11,26) lud er uns ein, darüber nachzudenken, was es heißt, Christen zu sein. Dies bot ihm auch die Gelegenheit, über Ordensnamen nachzudenken, die jeweils auf ein Geheimnis Gottes verweisen – Theresia vom Kinde Jesu und vom hl. Antlitz, Johannes vom Kreuz, Elisabeth von der Dreifaltigkeit…Er forderte uns auf, uns zu überlegen, was „unser“ Geheimnis sei und meinte, das könnte uns helfen, den Glauben fruchtbar werden zu lassen, den wir von Gott bekommen haben – ein sehr schöner Gedanke, wie ich finde.

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Der großartige Laden des Karmel

Von einer so aufbauenden Messe gestärkt führte es mich dann zunächst in den Laden des Karmel, in dem man Devotionalien, Gebetskärtchen, Hausgemachtes aus dem Karmel und religiöse Bücher kaufen kann. Bei den Kärtchen und den Büchern gibt es auch eine Auswahl auf Deutsch!

Im Anschluss durchlief ich den „Parcours Thérésien“, eine (kostenlose!) Ausstellung über ihr Leben, die wirklich nett und schön gemacht ist. Ich denke, ich lasse lieber Bilder mit kurzen Beschreibungen sprechen:

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Gegenstände, die von ihr bemalt wurden

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Die Rosenkrone, die sie bei ihrer Profess trug

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Das mit ihrem Blut geschriebene Credo, das sie in einem Moment des Zweifels anfertigte

Insgesamt verbrachte ich also zuerst einmal eine ganz ordentliche Zeit im Karmel. Mit der Kirche, ihrem Reliquienschrein, der Ausstellung und dem Laden bietet er aber auch wirklich viel. Man sollte also genug Zeit dafür einplanen! Außerdem fand ich es sehr gut, mit dem Karmel anzufangen, da er einfach eine so zentrale Bedeutung in ihrem Leben einnimmt (schon von Kindesbeinen an möchte sie eintreten und es ist – bei allen Schwierigkeiten – ihr größtes Glück, dort zu sein). Ein schöner Beginn also für einen Thérèse-Tag!

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In Lisieux folgt man nicht dem „kleinen Weg“, sondern dem „blauen Weg“. Der führt zielsicher von einem theresianischen Ort zum anderen. Zuerst fand ich diese Markierung etwas witzig, dann aber wusste ich sie immer mehr zu schätzen.

Die Zeit war dann auch schon so weit fortgeschritten, dass es sich anbot, eine Mittagspause zu machen. Lisieux ist ein nettes Städtchen mit einer ruhigen Fußgängerzone, in der man viele Möglichkeiten hat, sich ein Sandwich (sprich: sóndwitsch) oder eine Quiche zu kaufen.

Die Kathedrale Saint-Pierre

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Die Kathedrale Saint-Pierre

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Normannische Gotik

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Louis Martin stiftete den Hauptaltar

Die erste Station nach dem Mittagessen war die Kathedrale Saint-Pierre. Die wunderschöne, gotische Kathedrale (12./13. Jh.) ist der Ort, wo Louis Martin mit seinen Töchtern in die Messe ging. Ihr genauer Platz ist durch eine schön gestaltete Ecke markiert – hier erkannte Thérèse auch ihre missionarische Berufung, die Seelen von Sündern zu retten.

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Der Ort, an dem die Martins der Messe beiwohnten

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Man wird eingeladen, Gebetsintentionen oder -erhörungen aufzuschreiben.

Es war ein besonderes Gefühl, an dem Ort zu sein, an dem sie mit ihrer ganzen heiligen Familie die hl. Messe besuchte – also ihren ganz gewöhnlichen Gottesdienstort.

 

 

An jeder theresianischen Stätte gibt es eine Karte, wo man sich gerade befindet, wo die anderen Orte sind und Wegweiser – man kann sich wirklich nicht verlaufen.

 

Les Buissonnets

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Les Buissonnets („Das kleine Gebüsch) ist der liebevolle Name der Familie für ihr Haus in Lisieux, das sie nach dem Tod von Zélie Martin 1877 bezogen. Den Großteil ihrer Kindheit hat Thérèse in diesem Haus verbracht – es ist unglaublich berührend, an diesem Ort zu sein, sich vorzustellen, was in diesem oder jenem Zimmer geschehen ist…

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Im Garten der Buissonnets: Mehr Idylle gibt es kaum – Cat Content auf viasvitae 😉

Ich kam direkt zu den Öffnungszeiten nach der Mittagspause (zwischen 12 Uhr und 14 Uhr ist es nämlich geschlossen!). Der Eintritt ist kostenlos und das Haus wird ganz liebevoll im Geist der Heiligen betreut. Man kann drei Zimmer besichtigen und in jedem der Zimmer bekommt man eine kurze Einführung (von jeweils einer anderen Person, das ist wirklich nett) und anschließend wird ein Tonband abgespielt, das erklärt, was in diesem Zimmer geschah.

Der Anfang ist die Küche, das Herzstück des Hauses, mit dem offenen Kamin, an dem Thérèse die sog. Weihnachtsgnade erlebte.

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Der Ort der Weihnachtsgnade

An Weihnachten 1886, kurz vor ihrem 14. Geburstag, stellt sie ihre Schuhe wie jedes Jahr in den Kamin, damit sie vom Christkind gefüllt würden. Ihr Papa sagt nach der Mittagsmesse einen Satz, den sie hört und der sie zutiefst trifft: „Nun, gottlob ist es das letzte Jahr“. Aber statt – wie es zuvor ihre Art und auch ihre Schwäche war – in Tränen auszubrechen, sammelt sie sich, geht zu den Schuhen, holt ihre Geschenke heraus und freut sich darüber – und ihr Vater mit ihr.

Dann steigt man hinauf zu ihrem zweiten Zimmer, in dem sie das Erlebnis hatte, dass die Jungfrau ihr in schwerer Krankheit zulächelte, worauf sie geheilt wurde.

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Das Zimmer, in dem die Jungfrau sie in schwerer Krankheit anlächelte, was ihre Heilung bewirkte.

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Ihre Haare, von einer ihrer Schwestern aufbewahrt – unglaublich…

„Plötzlich erschien mir die Muttergottes schön, so schön, dass ich nie Schöneres gesehen hatte, ihr Antlitz atmete unaussprechliche Güte und Zärtlichkeit; was mir aber bis ins Innerste der Seele drang, das war das bezaubenrde Lächeln der seligsten Jungfrau. Da zerstoben alle meine Leiden…“ (Thérèse)

Schließlich gelangt man in ihr erstes Zimmer, in dem viele ihrer Gegenstände aufbewahrt sind. Unter anderem ihr wunderschönes Kommunionkleid und das Kruzifix, vor dem sie um die Bekehrung des dreifachen Mörders Pranzini betete. Von dessen Schicksal hatte sie aus der Zeitung erfahren und es ist der erste „Sünder“, den sie „adoptiert“. Gleichzeitig bittet sie Gott damit verbunden um ein Zeichen.
Bis zu den letzten Metern vor der Guilloutine zeigt der Verbrecher keine Reue, aber in letzter Sekunde bittet er plötzlich den Pfarrer um das Kruzifix und küsst es leidenschaftlich dreimal – für Thérèse die Antwort auf ihre Sehnsucht, Seelen zu retten.

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Das nachgestellte Gespräch von Thérèse und Louis um den Karmel-Eintritt

Der Ausgang geschieht durch den Garten und dort ist mit einer Statue die Stelle markiert, wo sie Louis Martin bat, in den Karmel eintreten zu dürfen.

Les Buissonnets waren für mich wirklich ein Höhepunkt, weil, wie es die Person am Empfang ausdrückte, das Haus wirklich die Wiege ihrer Heiligkeit war. Zugleich ist es auch das Haus, das vom Familienleben und dem ebenfalls heiligen Louis Martin zeugt.

Die Basilika Sainte Thérèse

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Ein riesiges Monument für die kleine Thérèse

Die Basilika ist nun der Ort, der nicht mehr von Thérèse selbst geprägt und belebt wurde wie der Karmel, die Kathedrale Saint-Pierre und die Buissonnets, sondern der Ort, der für ihre Erinnerung errichtet wurde. Ihr Bau wurde 1929 begonnen. Innen ist die Kapelle mit Mosaiken ausgestaltet. Die Architektur ist von Sacré-Cœur de Montmartre inspiriert.

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Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrgt, wird erhöht werden. (Mt 23,12)

In der Kirche befinden sich Reliquien der hl. Thérèse, in der Krypta der Reliquienschrein ihrer heiligen Eltern.

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Venez à moi – Kommt zu mir

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Auch die im Oktober heiliggesprochenen Eltern der Thérèse sind – gottlob – sehr präsent in Lisieux.

Die Basilika ist eine richtige Anlage mit der Basilika selbst, einem Wachsmuseum, der Krypta und dem Empfangszentrum Johannes-Paul II. Ehrlich gesagt erinnerte mich der ganze Bau auch an die Kirche zu Ehren dieses heiligen Papstes in Krakau.

Ich muss zugeben, dass mich die Basilika selbst nicht über die Maßen ansprach. Aber das ist oft schwierig bei Orten, die zum Gedächtnis errichtet wurden – den richtigen „Ton“ zu treffen. Sie ist riesig und kann 4000 Menschen fassen, allein das ist schon überwältigend. Dann aber finde ich sie extrem überladen von den bunten und in besonderem Stil angefertigten Mosaiken, was nicht recht zu meinem Thérèse-Bild passen mag (das kann aber auch an mir liegen). Nichtsdestotrotz ist es natürlich ein besonderer und zur Andacht einladender Ort und der nach Lourdes meistbesuchte Pilgerort in Frankreich.

Das Zentrum an der Basilika beinhaltet natürlich auch einen wunderbaren Devotionalienladen, in dem man sich noch einmal mit all dem eindecken kann, was man von Thérèses Botschaft gerne mit nach Hause nehmen möchte (und was man nicht schon im Karmel-Laden gekauft hat…)

Ich bin wirklich froh, die Stätten in genau dieser Reihenfolge besucht zu haben – von den Orten, an denen sie selbst gelebt hat bis zu dem Ort, an dem ihre Erinnerung gepflegt wird.

Anhang

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La mer

Mein ganzer, langer Tag wurde dadurch abgerundet, dass ich die Chance nutzte, für 5 € in 20 Minuten an die Antlantik-Küste weiterzufahren. Auch Thérèse hatte dort als Kind Urlaub gemacht. So konnte ich beim Spazieren am Meer die vielen, wundervollen Eindrücke sacken lassen und mich einfach nur freuen.

Deo gratias für diesen erfüllten Tag.

Heilige Thérèse vom Kinde Jesu und vom hl. Antlitz – ora pro nobis!

 

Praktische Infos auf einen Blick:

Karmel

  1. November bis 15. März: 7.20 bis 18.30 Uhr
  2. März bis 31. Oktober: 7.20 bis 19.00 Uhr

Messen: Unter der Woche um 8 Uhr, 9 Uhr (mit den Karmelitinnen) und um  11.15 Uhr, sonntags um 9.00 Uhr und um 11.15 Uhr (mit den Karmelitinnen)

Stundengebet: Laudes 7.20 Uhr (sonn- und feiertags 8.00 Uhr), Mittagshore 13.45 Uhr, Vesper 18.00 Uhr.

Öffnungszeiten der Ausstellung: 9.00 bis 18.00 Uhr

Kathedrale Saint-Pierre

09.00 – 18.45 Uhr

Messe: Unter der Woche um 18 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr.

Les Buissonnets

Ostermontag bis Anfang Oktober: 9.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr
Oktober, Februar und März: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr
November bis Januar: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr
Achtung, geschlossen von Mitte November bis Mitte Dezember und am 25. Dezember sowie am 1. Januar.

Die Audio-Führungen sind auf Französisch.

Basilika Sainte Thérèse

November bis März: 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr
April, Oktober: 9.00 bis 18.30 Uhr
Mai, Juni, September: 09.00 bis 19.00 Uhr
Juli, August: 09.00 bis 19.30 Uhr

Messe: Unter der Woche um 15.30 Uhr in der Unterkirche, sonntags um 10.30 Uhr (von Ostern bis Allerheiligen in der Oberkirche, vom Sonntag nach Allerheiligen bis Palmsonntag in der Unterkirche) und um 17.00 Uhr (Unterkirche)

Homepage-Tipp:

Am besten vor dem Besuch auf dieser Homepage gucken, ob es aktuelle Infos/Änderungen gibt: http://www.therese-de-lisieux.catholique.fr/Bienvenue-sur-le-site-du-Sanctuaire-de-Lisieux.html (kann man auch auf Englisch stellen!)

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Herzklopfen

Heute ist der Weltgebetstag für geistliche Berufungen. Das Motto finde ich dieses Jahr sehr gelungen: Herzklopfen.

Denn um nichts Anderes geht es in unseren Berufungsgeschichten: Gott liebt uns (zuerst!), wir dürfen diese Liebe erfahren und haben den Wunsch, ihm auf diese Liebe die Antwort unseres Lebens zu geben – begleitet von Herzklopfen.

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Die Benediktinerinnen der Anbetung haben diesen Gedanken, finde ich, besonders schön zu Wort gebracht:
„Eine geistliche Berufung wächst langsam, wie eine Blume. Jeder Mensch ist zur Liebe berufen. Das ist die erste und wichtigste menschliche Berufung. Jeder Mensch spürt in sich eine unsagbare Sehnsucht nach Liebe, Vollkommenheit und Glück. Wenn sich eine junge Frau entschließt, im Kloster zu leben, so ist das die Antwort eines liebenden Herzens auf den Ruf des Herrn. Jede von uns erfährt diesen Ruf anders. Es genügt nicht, einmal JA zu sagen. Durch unser Beten, Arbeiten und unsere Haltung den Mitmenschen gegenüber erneuern wir täglich unser JA. Die entschiedene Nachfolge Jesu ist ein Weg mit vielen kleinen und auch größeren Entscheidungen.“

Beten wir dafür, dass unsere Pfarreien Orte sind, an denen es Menschen gelingt, diese Liebe Gottes zu erfahren. Tragen wir selbst unser Glaubenszeugnis dazu bei. Beten wir, dass sich Menschen auf die Suche nach ihrer Berufung machen und beten wir, dass die Personen, die sie begleiten, sie aus ihrer Verwurzelung in der Liebe heraus gut und weise auf diesem Weg begleiten.

Schließen wir uns mit diesen Anliegen dem Gebet des hl. Vaters für den heutigen Tag an:

Vater der Barmherzigkeit, der Du Deinen Sohn zu unserem Heil geschenkt hast und der Du uns immer mit den Gaben Deines Geistes unterstützt, gewähre uns lebendige, feurige und frohe christliche Gemeinden, die Quellen geschwisterlichen Lebens sind und die unter den jungen Menschen den Wunsch wecken, sich Dir und der Evangelisierung zu weihen. Unterstütze sie in ihrem Bemühen, eine angemessene Berufungskatechese und Wege der besonderen Hingabe anzubieten. Gib Klugheit für die notwendige Beurteilung der Berufungen, so dass in allem die Größe Deiner barmherzigen Liebe aufleuchte. Maria, Mutter und Erzieherin Jesu, bitte für jede christliche Gemeinschaft, damit sie – fruchtbar durch den Heiligen Geist – Quelle echter Berufungen für den Dienst am heiligen Volk Gottes sei.

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Wenigstens zum Jahrestag…

…soll die sich erneut einstellende, diffuse Blogruhe hier unterbrochen werden. Wie fürchterlich diese Blogpausen doch sind! Ich weiß genau, wie wenig gut ich es bei anderen Blogs finde, wenn unerklärte und unangekündigte Unterbrechungen auf unbestimmte Zeit auftreten…Von daher: mea culpa! Es ist aber wie in einer schlechten Ehe: Wenigstens am Jahrestag tut man so, als sei alles in Ordnung. In diesem Sinne die durch diese Vorrede leicht getrübte Feststellung:

viasvitae wird heute 2!

Über was schreibe ich an diesem historischen Datum? Nun, ich wollte tatsächlich schon länger über Barmherzigkeit schreiben. Keine Frage, dieses Thema beschäftigt uns gerade gar inflationär, und oft hat man das Gefühl, aktuelle kirchliche Beiträge müssten fast den „Barmherzigkeitsstempel“ tragen. Ich aber wollte hier einen eher spirituellen Ansatz wagen, denn ich sehe zwei Verwendungsmöglichkeiten des Begriffs, die vorherrschen, meiner Meinung nach aber mangelhaft sind und die es daher zuvor zu benennen gilt:

Die erste ist die politische. Barmherzigkeit, das bedeutet, dass geschiedene und wiederverheiratete Menschen zur Kommunion gehen dürfen. Alles andere wäre unbarmherzig. Diese Politisierung möchte ich in diesem Beitrag nicht verfolgen und ich bin mir sicher, dass viele kluge Leute schon viel Gutes zu diesem Thema gesagt haben.

Die zweite Möglichkeit ist die soziale. Barmherzigkeit, das heißt, ich muss barmherzig sein. Schnell und sehr richtig fragt man sich: Wie kann ich anderen gegenüber barmherzig sein? Für diese Frage ist die Liste der Werke der Barmherzigkeit sinnvoll, an die uns der hl. Vater zum Jahr der Barmherzigkeit erinnert. Dort wird zwischen geistigen und leiblichen Werken der Barmherzigkeit unterschieden, und es wäre sicher schon viel geholfen, wenn wir alle heute nur eines davon auch nur im Ansatz erfüllen würden:

leibliche Werke der Barmherzigkeit:

  1. Hungrige speisen,
  2. Durstigen zu trinken geben,
  3. Nackte bekleiden,
  4. Fremde aufnehmen,
  5. Kranke pflegen,
  6. Gefangene besuchen und
  7. die Toten begraben.

geistige Werke der Barmherzigkeit:

  1. den Zweifelnden recht raten,
  2. die Unwissenden lehren,
  3. die Sünder zurechtweisen,
  4. die Betrübten trösten,
  5. Beleidigungen verzeihen,
  6. die Lästigen geduldig ertragen und
  7. für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten.

Die Gefahr der rein sozialen Richtung ist, die Quelle der Barmherzigkeit in den Hintergrund treten zu lassen und stattdessen gleichsam einen Druck zu verspüren, barmherzig zu sein, sich für andere aufzuopfern, sozial zu handeln – aber eben mit der Zeit auszulaugen, da man sich selbst nicht mehr nähren lässt und aus dem Blick verliert, warum man eigentlich so handeln soll oder will. Eben, wie ich es formuliert habe: Barmherzigkeit, das heißt, ich muss barmherzig sein, ganz so, als könne und müsse ich das aus eigener Kraft.

Nun aber gibt es meiner Meinung nach eine dritte Herangehensweise, die manches Mal ein wenig zu kurz kommt, aber von jener Quelle handelt: Die Barmherzigkeit Gottes gegenüber mir, dem armen Sünder. Denn zuallererst ist Gott mit mir barmherzig und nimmt sich meiner an – lässt mich an seiner unendlichen Liebe teilhaben und zwar ganz egal, wo ich gerade stehe. Und ich frage mich, ob wir nicht über genau diesen Punkt zuallererst und zuvorderst mehr nachdenken, ja, ihn betrachten müssten: Gott ist barmherzig mit mir, Gott liebt mich.
Denn, liebe Leser, können wir uns wirklich vorstellen, was das heißt? Können wir uns wirklich vorstellen, dass es jemanden gibt, der uns mehr als alles liebt, ohne dass diese Liebe an irgendeine Form von Leistung von unserer Seite gebunden wäre? Wir sind es gewohnt, in irdischen Dingen eine Sache für eine andere zu bekommen. Beim Einkauf, in der Arbeit, selbst in Freundschaften – wenige Freundschaften weisen einzelne Momente auf, in denen es wirklich gelingt, den anderen um seiner selbst willen anzunehmen. Gott aber nimmt uns immer um unserer selbst willen an und zwar bedingungslos.

Und erst, wenn ich anfange, zu begreifen, was das bedeutet, bekomme ich eine Ahnung dessen, was Barmherzigkeit heißt. Und erst dann kann ich auch versuchen, diese Barmherzigkeit anderen weiterzugeben. Wenn ich die Ahnung einer Liebe habe, die ein Ozean nicht fassen könnte. Dann kann ich verstehen, wie es sein kann, andere mit den Augen Gottes zu sehen, nicht nach unserer menschlichen Logik, sondern rein als geliebtes Geschöpf des Schöpfers – eine Ansicht, die mir nicht möglich und verinnerlicht sein kann, wenn ich sie rein von außen appliziere, weil man das doch sollte.

Liebe Leser, im Jahr der Barmherzigkeit und am zweiten Jahrestag dieses kleinen Blogs würde ich mir vor allem wünschen, dass jeder von uns den Lichtstrahl einer Ahnung von Gottes unendlicher Liebe bekommt. Wer einmal in den Kontakt mit diesem Lichtstrahl gekommen ist, verspürt aber den Drang, selbst zu einem Lichtstrahl zu werden – immer wieder, auch wenn er viel zu oft scheitert und sich gleichsam von Neuem verdunkelt. Aber eben wegen dieser Gefahr ist es so wichtig, sich stets neu vor Augen zu führen, dass Gott uns liebt. Auch wenn ich glaube, dass wir das im irdischen Leben nie begreifen werden.

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Bildquelle: Radio Vatikan/ANSA
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Linktipp der Woche: Als Laie (nicht) heilig werden?!

In dieser Woche habe ich einen besonders spannenden Beitrag bei Invenimus Messiam entdeckt. Dort geht es um das Thema „Laienheiligkeit“ – warum sind fast alle Heilige Priester oder Ordensleute? Wo unterscheiden sich geistlicher Stand und Ehe in der Frage, ob und wie man heilig werden kann? Ist das Opfer von Eheleuten oft nicht gleich groß oder gar größer – d.h., ist es nicht schwieriger, gleichsam mitten in der Welt und zutiefst von Menschen umgben (-> Familie) trotzdem Gott niemals aus den Augen zu verlieren, im Gegenteil, alles zu Seiner  höheren Ehre zu tun?

Problematisisert wird z.B., dass man unterbewusst annimmt, Priester und Ordensleute seien per se bereits „näher“ an einem heiligmäßigen Leben, da der Stand selbst schon ein Opfer sei, aber von einem aufopfernden Leben ist sicher auch und zuvorderst bei Eheleuten zu sprechen.

Diese und weitere Fragen behandelt der Artikel und spricht mir dabei ziemlich aus dem Herzen. Leider ist eine Diskussion ausgeblieben, obwohl ich denke, das Thema würde es erfordern. (Vielleicht entbrennt sie ja jetzt, da dieser kleine Blog es noch einmal aufgreift.)

Besonders die Schlussdiagnose, die Vorstellung von Heiligkeit unter Katholiken sei eben wohl revisionsbedürftig – es würde sich bestimmt lohnen, darüber nachzudenken, wie  ein Verständnis von Heiligkeit aussehen würde, das in beiden Ständen gleichermaßen erreicht und honoriert werden könnte.

Und, seien wir ehrlich, ist a) der Großteil der Katholiken nicht Priester oder im Orden und b) sind die aktuell gelebten Ehen vielfach eher nicht am Ideal der Heiligkeit orientiert. Hätten Eheleute mehr das Gefühl, auch in ihrem Stand gehe es um die Nachfolge Christi mit Haut und Haar und gäbe es bspw. gar Vorbilder für solche Lebensführungen, könnte das auch das irdische Erscheinungsbild der Ekklesia ganz praktisch verbessern.

Hier der LINK.

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Wären sie auch ohne ihre berühmte heilige Tochter heiliggesprochen worden?, fragt sophophilo.

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Die materielle Frucht von KlOSTERN 2.0

…ist meine Osterkerze. Eine solche gestaltete ich, obwohl ich mich etwas unwürdig fühlte, nachdem die letztjährige kaum angezündet wurde…

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Das Weizenkorn muss sterben.

Die eine Seite zeigt eine Ähre und einen Kelch mit einer ebenfalls goldenen Hostie mit dem Namen Jesu (JHS). Wir hatten am Karsamstag ganz stark die Thematik „Das Weizenkorn muss sterben“ – das hat mich angesprochen. Ohne Durchleiden des Todes keine Auferstehung. Ohne, dass das Weizenkorn zermalmt wird, kein Brot des Lebens.

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Jésus, ma joie, mon espérance et ma vie (Jesus, meine Freude, meine Hoffnung, mein Leben).

Die andere Seite zeigt ein Kreuz mit einer roten Blüte an seinem Fuße sowie die Aufschrift „Jésus, ma joie, mon espérance et ma vie.“ Ein Lied aus Taizé, das ich gerne mag und der Kerze den Bezug zum Auslandsjahr verleiht. Außerdem drückt es zusammen mit der Blüte meine persönliche Osterhoffnung aus: Dass Gott sich meiner annimmt, mir hilft, zu entdecken, wo meine Talente liegen, mir meinen Weg zeigt und mich so zur Entfaltung – zum Blühen für ihn und andere bringt.

Ein wenig schwer aber fiel mir die Osterfreude in diesem Jahr, da sie so überschattet war von den schrecklichen Ereignissen im Jemen und in Pakistan.

Dennoch möchte ich diesen Beitrag nutzen, um allen Lesern ganz beherzt ein gesegnetes Osterfest zu wünschen! Mögen wir am Leid der Welt nicht zerbrechen, sondern es in Christus überwinden lernen!

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KlOSTERN 2.0

Wie im letzten Jahr darf ich die Kar- und Ostertage im Kloster mitfeiern, was mich besonders freut. Dementsprechend wird viasvitae mindestens bis Ostersonntag noch einmal eine kleine Pause einlegen.

Sogar die wuselige kath. Bloggerliste schlägt aber vor, in den Kartagen eine Blogpause einzulegen, also bin ich quasi ganz am Puls der Zeit Blogoezese.

Allen Lesern wünsche ich geistlich fruchtbare und gesegnete Kartage!

Wie man an der Überschrift sieht, bin ich von diesem Wortspiel noch immer überzeugt 😉
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Marias Geste und heutige Anfragen an die Kirche

– Ein Gedanke zum Evangelium des heutigen Tages:

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.“

(Joh 12,1-11)

Auch wenn ich nicht weiß, ob das Mehrheitsmeinung ist, sehe ich in diesem Evangelium immer ein Thema angesprochen, das neben dem Vorausdeuten des späteren Todes unseres Herrn darin gelesen werden kann.

Hin und wieder wird nämlich die Frage laut: Wieso benutzt die Kirche bei ihren liturgischen Feiern so viel Prunk? Wieso sind die liturgischen Geräte, Gewänder, selbst der Kirchenraum an sich derart prächtig?1

Ähnlich wird es den Jüngern ergangen sein als sie sahen, wie Maria das teure Öl für die Salbung der Füße Jesu „verschwendete“, wofür in der johanneischen Fassung die Aussage des Judas paradigmatisch ist.

Beiden Vorbehalten gibt Jesus die Antwort: „Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt Ihr immer bei Euch, mich aber habt Ihr nicht immer bei Euch.“

Für den Leib und das Blut unseres Herrn darf uns kein Gefäß zu kostbar sein. Etwas Kostbareres als das sichtbare Zeichen seiner Anwesenheit kennen wir nicht. Und nichts Höheres könnten wir feiern als Sein sinnenfälliges Aufscheinen in unserer Welt, jedes Mal, wenn wir die hl. Eucharistie feiern. Daher gilt es, in diese Feier alles hineinzugeben, was unsere menschlichen Fähigkeiten uns erlauben.

Sicher bin ich für eine arme Kirche und eine, die sich für die Armen einsetzt, noch viel mehr, als sie es heute schon tut. Das Schlagwort „arme Kirche“ muss aber recht verstanden werden.

Kirche darf nicht auffallen durch weltlichen Prunk, der leer und götzenanbetend ist. Weltlicher Prunk aber ist alles, das nicht im Dienst der Liturgie steht und transparent darauf ausgerichtet, zur höheren Ehre Gottes zu existieren.

Aber es gibt Momente, wie es damals einer in Betanien war, da dürfen, sollen wir das, was die Welt als kostbar ansieht, für Ihn verschwenden. Und dabei lehrt uns die spontane, innige Geste der Maria, dabei nicht aus Kalkül vorzugehen oder gar eine Gegenleistung zu erwarten, sondern aus Liebe.

 

 

(1) Freilich nicht immer…

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Wie Vorlesungen beginnen können – Der hl. Bernhard und die zisterziensische Theologie

Eine besonders schöne Vorlesung habe ich seit Beginn des zweiten Auslandssemesters am Mittwoch: Der hl. Bernhard und die zisterziensische Theologie. Der Dozent scheint über das Thema alles zu wissen und ist zugleich glühender Verehrer des hl. Bernhard.

Erhebend ist aber vor allem der Beginn derselben: Wir singen (ja, wir singen!) den lateinischen Hymnus „Jesu dulcis memoria“ des hl. Bernhard. Dieser Hymnus entstand anlässlich des Festes des Heiligsten Namens Jesu, das bis zur Liturgiereform am Sonntag nach Neujahr gefeiert wurde. (Die Tatsache, dass dieses Fest der Liturgiereform zum Opfer gefallen ist, löste bei meinem Dozenten Bedauern aus – ein weiterer Punkt für ihn).

Nun muss man sich das wirklich so vorstellen, dass wir – vielleicht zwanzig – Studenten, Priester, Diakone, Seminaristen, geweihte Jungfrauen, Laien, bevor wir uns wissenschaftlich-theologisch mit dem hl. Bernhard beschäftigen, allmittwöchlich erheben und noch erhebender diesen wunderschönen Hymnus singen. Geht man aus der Vorlesung, hat man ihn noch immer im Ohr.

Der Dozent scherzte schon, in der Prüfung würde es reichen, kennte man diesen Hymnus auswendig:

Jesu dulcis memoria,
dans vera cordis gaudia:
sed super mel et omnia,
eius dulcis praesentia.
Süß ist das Gedenken an Jesus,
es schenkt die wahren Herzensfreuden:
aber über Honig und alles
geht Seine süße Anwesenheit.
Nil canitur suavius,
nil auditur iucundius,
nil cogitatur dulcius,
quam Jesus Dei filius.
Nichts ist schöner zu singen,
nichts angenehmer zu hören,
nichts freudenvoller zu bedenken
als Jesus, Gottes Sohn.
Jesu spes paenitentibus,
quam pius es petentibus,
quam bonus te quaerentibus!
Sed quid invenientibus?
Jesus, Du Hoffnung für die Büßer,
wie treu bist Du denen, die nach Dir verlangen,
wie gütig denen, die Dich suchen!
Doch was erst denen, die Dich finden?
Nec lingua valet dicere,
nec littera exprimere:
Expertus potest credere,
quid sit Jesum diligere.
Die Zunge vermag es nicht zu sagen
noch der Buchstabe auszudrücken:
nur wer es erfuhr, kann glauben,
was es heißt, Jesus zu lieben.
Sis Jesu nostrum gaudium,
qui es futurus praemium:
Sit nostra in te gloria,
per cuncta semper saecula.
Amen.
Sei, Jesus, unsere Freude,
Du unser zukünftiger Siegespreis:
In Dir sei unsere Verherrlichung
für alle Ewigkeit.
Amen.
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Was bedeutet es, wenn auf viasvitae Ruhe herrscht?

Was bedeutet es, wenn auf viasvitae Ruhe herrscht? Auf keinen Fall, dass es nichts von unserem Gott, Schöpfer, Hirten und Herrn zu erzählen gäbe. Über Ihn können wir mehr sagen, als es je aufgeschrieben werden könnte, und gleichzeitig beschleicht einen manchmal das Gefühl, es sei angemessener, zu schweigen, weil nichts Ihm gerecht werden kann, das wir formulieren könnten.

Dass es hier in letzter Zeit so ruhig zu ging, hat aber profane Gründe: Im Wesentlichen der Berg, von dem der letzte Beitrag spricht. Der ist nun Deo gratias überwunden und ich freue mich, in den nächsten Tagen ein wenig präsenter zu sein – gerade mit Blick auf den Beginn der Hl. Woche, einer „temps fort“, wie man hier sagt.

Denn so oft man auch meint, wir könnten über Gott aufgrund seiner unfassbaren Größe eigentlich nichts sagen, so ist es doch wichtig, dass wir Zeugnis von Ihm geben, damit Sein lebendiges Wort in unserer zerstreuten Welt gehört werden kann.

So wünsche ich vor allem meinen geschätzten Lesern einen guten Start in die Karwoche – mögen wir hineingenommen werden in die tiefsten Geheimnisse unseres Glaubens, auch wenn das schmerzen kann.

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