Gottes Wort im Alltag

Oft höre ich das Wort Gottes in Form der Lesung. Noch viel öfter aber höre ich es, ohne mir bewusst zu sein, was es ist. Weniger aus böser Absicht; es ist schlicht ganz normal, dass an einem bestimmten Punkt des Gottesdienstes, nach dem Tagesgebet, der Lektor aufsteht, nach vorne geht, die Lesung hält, man schließt mit dem automatischen „Dank sei Gott“ – und weiter geht es in Richtung Evangelium.

So beklagenswert der Zustand scheint, die Lesung mit zu geringer Aufmerksamkeit zu verfolgen, wie es mir oft passiert, so gibt es auch hier Ausnahmen. Die Möglichkeit besteht, dass ein Text, den man schon oft gehört hat, plötzlich etwas mit einem persönlich zu tun hat. So ging es mir gestern mit Jes 55,10-11:

Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.

Es ist nicht so, dass ich diese Lesung immer ignoriert hätte. Im Gegenteil, ich erinnere mich noch gut, wie ich sie während meines Auslandsjahrs einmal vortragen musste – in der Pariser Kirche Saint-Étienne-du-Mont, vor den versammelten Seminaristen, Priestern, Dozenten…Ich dachte, mein Herz klopfe so laut, dass es ganz gewiss jeder hören könnte.

Aber dieses Wort musste offenbar noch ein Jahr in mir wachsen, dass ich verstehen konnte, was es sagt. Letztlich behandelt es nämlich genau das angesprochene „Problem“, die Frage, wie das Wort Gottes etwas in meinem Alltag bewirkt bzw. mein Alltag wird.

Und Gott selbst gibt die Antwort: Sein Wort „kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“. Um uns verständlich zu machen, wie plastisch und konkret wir uns das vorzustellen haben, spricht die Bibel im Bild des Regens, der nicht zum Himmel zurückkehrt, ohne die Erde zum Keimen gebracht zu haben.

Eine, wie ich finde, unglaubliche Zusage. Und wenn ich mich dann frage, was meine Berufung ist, für diesen Moment, diesen Tag, mein Leben, darf ich mir sicher sein, dass Sein Wort mich treffen wird, vielmehr, dass es in mir wirken wird.

20150721_174420

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s