Alltägliches

Der unschätzbare Vorteil des neuen Wohnheims, das sich nun nach meiner Pariser Zeit hier in München mein Zuhause nennt, ist die nahegelegene Kirche, die vielfältige liturgische Möglichkeiten bietet. Dazu gehört die Messe am Werktag, die mehr als schön ist.

Wer München kennt, weiß, dass man in der Innenstadt gestaltungsmäßig (St. Michael und die Bürgersaalkirche ausgenommen) am Werktag nicht allzu viel zu erwarten hat. Im Gegenteil: Musik gibt es keine, die Gestaltung ist weniger schlicht denn lieblos, manchmal gar im Eiltempo… (Keine Angst, lieber Leser, das wird kein typischer Liturgie-Bashing-Artikel. Die Autorin hält selbst nicht allzu viel von solchen, auch wenn sie selbst oft auch sehr kritisch ist. Stattdessen will sie viel lieber über Positives und den Glauben Nährendes sprechen). Den Höhepunkt finde ich, wenn das Halleluja gesprochen wird. Das funktioniert m.E. so gut wie ein gesprochener Jodler. Und wenn man es schon nicht singt, könnte man es wenigstens so artikulieren, dass man etwas Besonderes, ja, das Lob Gottes ausspricht, also klar und deutlich sprechen, den Mund öffnen, einen feierlichen Tonfall wählen… (stattdessen hört man hier häufig ein genuscheltes, tief bairisches Holleluijoa, Holleluijoa) – ich erinnere mich meiner eigenen Klammerbemerkung.

Hier jedenfalls ist alles anders, immer singt und spielt ein Kantor ganz wunderbar und auch seine Liedauswahl ehrt ihn. Die Priester sind mehr als bei der Sache, nehmen sich Zeit, und geben oft sogar einen kleinen, intensiven und inhaltsreichen Impuls (also kein „Hauptsache, ich habe noch etwas dazu gesagt – und zwar, was mir gerade spontan einfiel“).

So war es auch am vergangenen Freitag. Der Priester nahm Bezug auf den Lesungstext:

Brüder! Durch Christus sind wir als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben. Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt. Der Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, zum Lob seiner Herrlichkeit. (Eph 1, 11-14)

Dazu sagte er, dass unsere Bestimmung, unsere Berufung also das Lob der Herrlichkeit Christi sei. Und das sollten wir uns zu eigen machen. So müsste also noch vor etwa der existentiellen Frage nach dem Lebensstand die Frage stehen, wie ich das Lob von Gottes Herrlichkeit mehren kann. Und er ging noch weiter und meinte, diese Frage könnte sogar die alltäglichsten Entscheidungen erleichtern: Welche meiner möglichen Handlungen mehrt das Lob der Herrlichkeit Christi?

Ich fand diesen Gedanken sehr wertvoll und hoffe, er begleitet mich noch ein wenig, durchdringt tatsächlich mein Tun und verbleibt nicht in Form von Zeilen auf diesem kleinen Blog.

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Alltägliches

  1. Sandra schreibt:

    In München derzeit wärmstens zu empfehlen sind die Messen, die „unser“ P. Kilian (Stift Heiligenkreuz) zelebriert. Hier findet man eine Übersicht:
    https://paterkilian.tumblr.com/

  2. Sandra schreibt:

    Gern. Wenn wir ihn hier schon entbehren müssen, dann sollen zumindest andere davon profitieren 😉 Vielleicht schauen Sie ja einmal in St. Peter vorbei.

  3. Sandra schreibt:

    PS: Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack:

    Allerdings sind die insgesamt 11 Videos schon vor einigen Jahren gedreht worden. Die Haare sind inzwischen weniger geworden 🙂

  4. Sandra schreibt:

    Technik … das ist das falsche Video … https://www.youtube.com/playlist?list=PL4NcIjs4ix1_-sWmTiCt7v_IjoKaYLi-r
    Vielleicht klappt es ja jetzt. Einfach „Usque ad mortem“ anklicken.

  5. Sandra schreibt:

    Segne´s Gott!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s