Erstaunliches

Heute war kein ganz leichter Tag. Denn mir wurde schmerzlich das baldige Ende meines Auslandsjahrs bewusst. War mir früher unklar, wie sich die feuchten Augen und sehnsuchtsvollen Blicke älterer Studenten erklären, wenn sie über die Stadt ihres Freijahrs sprechen, so werde auch ich stets ins Schwärmen geraten, wenn es um meine Pariser Zeit geht – auch wenn sie freilich neben Höhen auch Tiefen mit sich brachte.

Jedenfalls schickte ich heute den Großteil meines Hab- und Guts im elterlichen Auto auf die Heimreise nach Deutschland. Zurück bleibt mein wunderschönes Zimmer, karg und unwohnlich. Die geliebte Ikone ist fort, ebenso der Gebetshocker, Regale und Schränke schwach befüllt – alles so, dass es am letzten Tage sich in eine Reisetasche wird packen lassen.

Nun erhielt ich in meiner Tristesse heute Morgen jenen wundervollen Wunsch des nächsten Menschen an meiner Seite, ich möge mich in der Messe von Gott trösten lassen. Und dies geschah, ganz gewiss. Der Vorgeschmack am himmlischen Jerusalem (umso feierlicher, da erst heute in Frankreich das Fest des allerheiligsten Sakraments gefeiert wird), ließ nicht zu, dass ich in Melancholie abgleite.

Am frühen Abend nun wurde mir aber in Bezug auf diesen Wunsch noch eine besondere Zuwendung zuteil. Den ganzen Tag schon war ich müde, so müde, dass ich mich nicht einmal zum Gebet recht aufraffen konnte. Dann aber überwand ich den andauernden Mittagsdämon und ging in den Gebetsraum. Und nicht nur, dass, je länger ich dort verweilte und das Gebet murmelte, ich immer größere Kraft und Zuversicht fühlte, sondern mir begegnete in der Vesper auch jene Lesung:

„Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.“ (2 Kor 1,3-4)

Ja, in einem kleinen, unwürdigen, unbedeutenden, von Unzulänglichkeiten geprägten Alltagsleben spricht Gott.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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