Ein Tag in Lisieux – Theresia besucht Thérèse (Premium-Beitrag)

Am Dienstag war ein großer Tag im Leben der Autorin dieses kleinen Blogs. Ich fuhr tatsächlich das erste Mal in meinem Leben nach Lisieux, den Ort meiner Namenspatronin. In diesem Beitrag möchte ich diesen Tag umfassend beschreiben – er soll aber zugleich als Ratgeber für Gelegenheits- oder Stamm-Leser dienen, die selbst einmal einen Tag in Lisieux verbringen wollen und sich überlegen, wie sie das am besten anstellen.

Mit dem Zug von Paris aus ist Lisieux ganz prima zu erreichen. Wer also erwägt, ein paar Tage die Hauptstadt zu besuchen, kann sich das problemlos als Tagesausflug einplanen. Mein Zug fuhr um 8.45 Uhr los und um halb elf war ich am Bahnhof in Lisieux. Im Zug las ich eigentlich durchgehend in einer der vielen Biographien über Thérèse. Das bietet sich besonders an, um sich schon ein wenig auf den Tag einzustimmen und so war ich bereits gedanklich ganz in ihrer Welt, als ich in einen sonnigen Tag ausstieg.

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Und plötzlich ist man in Lisieux

Von Anfang an war diese Reise behütet. Ich brauchte nämlich noch unbedingt eine Postbank zwecks Bargeld, fand diese aber ohne auf die Karte zu gucken in unmittelbarer Nähe des Karmel. Vom Bahnhof aus ist man sofort im Stadtzentrum. Da ich noch kurz Zeit hatte, besorgte ich mir zuerst Stadtpläne und Info-Flyer in der Touristeninformation. Auch diese liegt sehr zentral und z.T. sind die Broschüren sogar auf Deutsch.

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Broschüren mit Stadtplänen und den wichtigsten theresianischen Orten bekommt man in der Touri-Info.

Der Karmel

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Der Karmel

Dann kam meine erste Station: Der Karmel. Zuallererst verweilte ich ein wenig an dem Reliquienschrein. 1923 waren die Gebeine der hl. Thérèse vom Karmel-Friedhof in die Kirche überführt worden.

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Der Reliquienschrein mit einer Statue von Thérèse in ihrer Sterbehaltung.

Dann konnte ich den Tag mit einer hl. Messe beginnen. Im Karmel gibt es täglich um 8.00 Uhr, 9.00 Uhr (mit den Karmelitinnen) und um 11.15 Uhr die Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch. Der Priester war noch jung und ganz wunderbar.

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Die Kirche des Karmel

Ausgehend vom Lesungstext („In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“, Apg 11,26) lud er uns ein, darüber nachzudenken, was es heißt, Christen zu sein. Dies bot ihm auch die Gelegenheit, über Ordensnamen nachzudenken, die jeweils auf ein Geheimnis Gottes verweisen – Theresia vom Kinde Jesu und vom hl. Antlitz, Johannes vom Kreuz, Elisabeth von der Dreifaltigkeit…Er forderte uns auf, uns zu überlegen, was „unser“ Geheimnis sei und meinte, das könnte uns helfen, den Glauben fruchtbar werden zu lassen, den wir von Gott bekommen haben – ein sehr schöner Gedanke, wie ich finde.

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Der großartige Laden des Karmel

Von einer so aufbauenden Messe gestärkt führte es mich dann zunächst in den Laden des Karmel, in dem man Devotionalien, Gebetskärtchen, Hausgemachtes aus dem Karmel und religiöse Bücher kaufen kann. Bei den Kärtchen und den Büchern gibt es auch eine Auswahl auf Deutsch!

Im Anschluss durchlief ich den „Parcours Thérésien“, eine (kostenlose!) Ausstellung über ihr Leben, die wirklich nett und schön gemacht ist. Ich denke, ich lasse lieber Bilder mit kurzen Beschreibungen sprechen:

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Gegenstände, die von ihr bemalt wurden

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Die Rosenkrone, die sie bei ihrer Profess trug

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Das mit ihrem Blut geschriebene Credo, das sie in einem Moment des Zweifels anfertigte

Insgesamt verbrachte ich also zuerst einmal eine ganz ordentliche Zeit im Karmel. Mit der Kirche, ihrem Reliquienschrein, der Ausstellung und dem Laden bietet er aber auch wirklich viel. Man sollte also genug Zeit dafür einplanen! Außerdem fand ich es sehr gut, mit dem Karmel anzufangen, da er einfach eine so zentrale Bedeutung in ihrem Leben einnimmt (schon von Kindesbeinen an möchte sie eintreten und es ist – bei allen Schwierigkeiten – ihr größtes Glück, dort zu sein). Ein schöner Beginn also für einen Thérèse-Tag!

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In Lisieux folgt man nicht dem „kleinen Weg“, sondern dem „blauen Weg“. Der führt zielsicher von einem theresianischen Ort zum anderen. Zuerst fand ich diese Markierung etwas witzig, dann aber wusste ich sie immer mehr zu schätzen.

Die Zeit war dann auch schon so weit fortgeschritten, dass es sich anbot, eine Mittagspause zu machen. Lisieux ist ein nettes Städtchen mit einer ruhigen Fußgängerzone, in der man viele Möglichkeiten hat, sich ein Sandwich (sprich: sóndwitsch) oder eine Quiche zu kaufen.

Die Kathedrale Saint-Pierre

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Die Kathedrale Saint-Pierre

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Normannische Gotik

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Louis Martin stiftete den Hauptaltar

Die erste Station nach dem Mittagessen war die Kathedrale Saint-Pierre. Die wunderschöne, gotische Kathedrale (12./13. Jh.) ist der Ort, wo Louis Martin mit seinen Töchtern in die Messe ging. Ihr genauer Platz ist durch eine schön gestaltete Ecke markiert – hier erkannte Thérèse auch ihre missionarische Berufung, die Seelen von Sündern zu retten.

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Der Ort, an dem die Martins der Messe beiwohnten

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Man wird eingeladen, Gebetsintentionen oder -erhörungen aufzuschreiben.

Es war ein besonderes Gefühl, an dem Ort zu sein, an dem sie mit ihrer ganzen heiligen Familie die hl. Messe besuchte – also ihren ganz gewöhnlichen Gottesdienstort.

 

 

An jeder theresianischen Stätte gibt es eine Karte, wo man sich gerade befindet, wo die anderen Orte sind und Wegweiser – man kann sich wirklich nicht verlaufen.

 

Les Buissonnets

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Les Buissonnets („Das kleine Gebüsch) ist der liebevolle Name der Familie für ihr Haus in Lisieux, das sie nach dem Tod von Zélie Martin 1877 bezogen. Den Großteil ihrer Kindheit hat Thérèse in diesem Haus verbracht – es ist unglaublich berührend, an diesem Ort zu sein, sich vorzustellen, was in diesem oder jenem Zimmer geschehen ist…

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Im Garten der Buissonnets: Mehr Idylle gibt es kaum – Cat Content auf viasvitae 😉

Ich kam direkt zu den Öffnungszeiten nach der Mittagspause (zwischen 12 Uhr und 14 Uhr ist es nämlich geschlossen!). Der Eintritt ist kostenlos und das Haus wird ganz liebevoll im Geist der Heiligen betreut. Man kann drei Zimmer besichtigen und in jedem der Zimmer bekommt man eine kurze Einführung (von jeweils einer anderen Person, das ist wirklich nett) und anschließend wird ein Tonband abgespielt, das erklärt, was in diesem Zimmer geschah.

Der Anfang ist die Küche, das Herzstück des Hauses, mit dem offenen Kamin, an dem Thérèse die sog. Weihnachtsgnade erlebte.

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Der Ort der Weihnachtsgnade

An Weihnachten 1886, kurz vor ihrem 14. Geburstag, stellt sie ihre Schuhe wie jedes Jahr in den Kamin, damit sie vom Christkind gefüllt würden. Ihr Papa sagt nach der Mittagsmesse einen Satz, den sie hört und der sie zutiefst trifft: „Nun, gottlob ist es das letzte Jahr“. Aber statt – wie es zuvor ihre Art und auch ihre Schwäche war – in Tränen auszubrechen, sammelt sie sich, geht zu den Schuhen, holt ihre Geschenke heraus und freut sich darüber – und ihr Vater mit ihr.

Dann steigt man hinauf zu ihrem zweiten Zimmer, in dem sie das Erlebnis hatte, dass die Jungfrau ihr in schwerer Krankheit zulächelte, worauf sie geheilt wurde.

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Das Zimmer, in dem die Jungfrau sie in schwerer Krankheit anlächelte, was ihre Heilung bewirkte.

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Ihre Haare, von einer ihrer Schwestern aufbewahrt – unglaublich…

„Plötzlich erschien mir die Muttergottes schön, so schön, dass ich nie Schöneres gesehen hatte, ihr Antlitz atmete unaussprechliche Güte und Zärtlichkeit; was mir aber bis ins Innerste der Seele drang, das war das bezaubenrde Lächeln der seligsten Jungfrau. Da zerstoben alle meine Leiden…“ (Thérèse)

Schließlich gelangt man in ihr erstes Zimmer, in dem viele ihrer Gegenstände aufbewahrt sind. Unter anderem ihr wunderschönes Kommunionkleid und das Kruzifix, vor dem sie um die Bekehrung des dreifachen Mörders Pranzini betete. Von dessen Schicksal hatte sie aus der Zeitung erfahren und es ist der erste „Sünder“, den sie „adoptiert“. Gleichzeitig bittet sie Gott damit verbunden um ein Zeichen.
Bis zu den letzten Metern vor der Guilloutine zeigt der Verbrecher keine Reue, aber in letzter Sekunde bittet er plötzlich den Pfarrer um das Kruzifix und küsst es leidenschaftlich dreimal – für Thérèse die Antwort auf ihre Sehnsucht, Seelen zu retten.

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Das nachgestellte Gespräch von Thérèse und Louis um den Karmel-Eintritt

Der Ausgang geschieht durch den Garten und dort ist mit einer Statue die Stelle markiert, wo sie Louis Martin bat, in den Karmel eintreten zu dürfen.

Les Buissonnets waren für mich wirklich ein Höhepunkt, weil, wie es die Person am Empfang ausdrückte, das Haus wirklich die Wiege ihrer Heiligkeit war. Zugleich ist es auch das Haus, das vom Familienleben und dem ebenfalls heiligen Louis Martin zeugt.

Die Basilika Sainte Thérèse

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Ein riesiges Monument für die kleine Thérèse

Die Basilika ist nun der Ort, der nicht mehr von Thérèse selbst geprägt und belebt wurde wie der Karmel, die Kathedrale Saint-Pierre und die Buissonnets, sondern der Ort, der für ihre Erinnerung errichtet wurde. Ihr Bau wurde 1929 begonnen. Innen ist die Kapelle mit Mosaiken ausgestaltet. Die Architektur ist von Sacré-Cœur de Montmartre inspiriert.

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Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrgt, wird erhöht werden. (Mt 23,12)

In der Kirche befinden sich Reliquien der hl. Thérèse, in der Krypta der Reliquienschrein ihrer heiligen Eltern.

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Venez à moi – Kommt zu mir

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Auch die im Oktober heiliggesprochenen Eltern der Thérèse sind – gottlob – sehr präsent in Lisieux.

Die Basilika ist eine richtige Anlage mit der Basilika selbst, einem Wachsmuseum, der Krypta und dem Empfangszentrum Johannes-Paul II. Ehrlich gesagt erinnerte mich der ganze Bau auch an die Kirche zu Ehren dieses heiligen Papstes in Krakau.

Ich muss zugeben, dass mich die Basilika selbst nicht über die Maßen ansprach. Aber das ist oft schwierig bei Orten, die zum Gedächtnis errichtet wurden – den richtigen „Ton“ zu treffen. Sie ist riesig und kann 4000 Menschen fassen, allein das ist schon überwältigend. Dann aber finde ich sie extrem überladen von den bunten und in besonderem Stil angefertigten Mosaiken, was nicht recht zu meinem Thérèse-Bild passen mag (das kann aber auch an mir liegen). Nichtsdestotrotz ist es natürlich ein besonderer und zur Andacht einladender Ort und der nach Lourdes meistbesuchte Pilgerort in Frankreich.

Das Zentrum an der Basilika beinhaltet natürlich auch einen wunderbaren Devotionalienladen, in dem man sich noch einmal mit all dem eindecken kann, was man von Thérèses Botschaft gerne mit nach Hause nehmen möchte (und was man nicht schon im Karmel-Laden gekauft hat…)

Ich bin wirklich froh, die Stätten in genau dieser Reihenfolge besucht zu haben – von den Orten, an denen sie selbst gelebt hat bis zu dem Ort, an dem ihre Erinnerung gepflegt wird.

Anhang

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La mer

Mein ganzer, langer Tag wurde dadurch abgerundet, dass ich die Chance nutzte, für 5 € in 20 Minuten an die Antlantik-Küste weiterzufahren. Auch Thérèse hatte dort als Kind Urlaub gemacht. So konnte ich beim Spazieren am Meer die vielen, wundervollen Eindrücke sacken lassen und mich einfach nur freuen.

Deo gratias für diesen erfüllten Tag.

Heilige Thérèse vom Kinde Jesu und vom hl. Antlitz – ora pro nobis!

 

Praktische Infos auf einen Blick:

Karmel

  1. November bis 15. März: 7.20 bis 18.30 Uhr
  2. März bis 31. Oktober: 7.20 bis 19.00 Uhr

Messen: Unter der Woche um 8 Uhr, 9 Uhr (mit den Karmelitinnen) und um  11.15 Uhr, sonntags um 9.00 Uhr und um 11.15 Uhr (mit den Karmelitinnen)

Stundengebet: Laudes 7.20 Uhr (sonn- und feiertags 8.00 Uhr), Mittagshore 13.45 Uhr, Vesper 18.00 Uhr.

Öffnungszeiten der Ausstellung: 9.00 bis 18.00 Uhr

Kathedrale Saint-Pierre

09.00 – 18.45 Uhr

Messe: Unter der Woche um 18 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr.

Les Buissonnets

Ostermontag bis Anfang Oktober: 9.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr
Oktober, Februar und März: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr
November bis Januar: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr
Achtung, geschlossen von Mitte November bis Mitte Dezember und am 25. Dezember sowie am 1. Januar.

Die Audio-Führungen sind auf Französisch.

Basilika Sainte Thérèse

November bis März: 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr
April, Oktober: 9.00 bis 18.30 Uhr
Mai, Juni, September: 09.00 bis 19.00 Uhr
Juli, August: 09.00 bis 19.30 Uhr

Messe: Unter der Woche um 15.30 Uhr in der Unterkirche, sonntags um 10.30 Uhr (von Ostern bis Allerheiligen in der Oberkirche, vom Sonntag nach Allerheiligen bis Palmsonntag in der Unterkirche) und um 17.00 Uhr (Unterkirche)

Homepage-Tipp:

Am besten vor dem Besuch auf dieser Homepage gucken, ob es aktuelle Infos/Änderungen gibt: http://www.therese-de-lisieux.catholique.fr/Bienvenue-sur-le-site-du-Sanctuaire-de-Lisieux.html (kann man auch auf Englisch stellen!)

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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6 Antworten zu Ein Tag in Lisieux – Theresia besucht Thérèse (Premium-Beitrag)

  1. mirasol schreibt:

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, die Eindrücke und die vielen Infos!:-) Wenn es dieses Jahr noch nach Lisieux geht muss ich mir das wohl vorher ausdrucken 😉

    An der Stelle mit dem Credo (das ist mir gar nicht mehr in Erinnerung… ) hab ich richtig Gänsehaut bekommen!

  2. Andreas schreibt:

    Ganz wunderbar, dieser Beitrag – preziös in vielfacher Hinsicht, sozusagen! Dank Dir dafür!

    Wobei: Die etwas hieratischen Mosikarbeiten in der Basilika gefallen mir wiederum sehr, derweil ich mit der üblichen Ikonographie der hl. Theresia nicht sooo viel am Hut habe … 😉

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Vielen Dank für diese positive Rückmeldung!
      Meinst Du die ikonographischen Darstellungen, in denen ein allzu energisches Kinn weg retuschiert wurde? Schön und spannend, dass Dir die Art der Basilika gefällt!

      • Andreas schreibt:

        Nee, ich denke eher an bestimmte süßlich-kitschige Verniedlichungen … (wobei so ein wegrutschiertes Kinn die Richtung weisen könnte) … 😉

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