Wenigstens zum Jahrestag…

…soll die sich erneut einstellende, diffuse Blogruhe hier unterbrochen werden. Wie fürchterlich diese Blogpausen doch sind! Ich weiß genau, wie wenig gut ich es bei anderen Blogs finde, wenn unerklärte und unangekündigte Unterbrechungen auf unbestimmte Zeit auftreten…Von daher: mea culpa! Es ist aber wie in einer schlechten Ehe: Wenigstens am Jahrestag tut man so, als sei alles in Ordnung. In diesem Sinne die durch diese Vorrede leicht getrübte Feststellung:

viasvitae wird heute 2!

Über was schreibe ich an diesem historischen Datum? Nun, ich wollte tatsächlich schon länger über Barmherzigkeit schreiben. Keine Frage, dieses Thema beschäftigt uns gerade gar inflationär, und oft hat man das Gefühl, aktuelle kirchliche Beiträge müssten fast den „Barmherzigkeitsstempel“ tragen. Ich aber wollte hier einen eher spirituellen Ansatz wagen, denn ich sehe zwei Verwendungsmöglichkeiten des Begriffs, die vorherrschen, meiner Meinung nach aber mangelhaft sind und die es daher zuvor zu benennen gilt:

Die erste ist die politische. Barmherzigkeit, das bedeutet, dass geschiedene und wiederverheiratete Menschen zur Kommunion gehen dürfen. Alles andere wäre unbarmherzig. Diese Politisierung möchte ich in diesem Beitrag nicht verfolgen und ich bin mir sicher, dass viele kluge Leute schon viel Gutes zu diesem Thema gesagt haben.

Die zweite Möglichkeit ist die soziale. Barmherzigkeit, das heißt, ich muss barmherzig sein. Schnell und sehr richtig fragt man sich: Wie kann ich anderen gegenüber barmherzig sein? Für diese Frage ist die Liste der Werke der Barmherzigkeit sinnvoll, an die uns der hl. Vater zum Jahr der Barmherzigkeit erinnert. Dort wird zwischen geistigen und leiblichen Werken der Barmherzigkeit unterschieden, und es wäre sicher schon viel geholfen, wenn wir alle heute nur eines davon auch nur im Ansatz erfüllen würden:

leibliche Werke der Barmherzigkeit:

  1. Hungrige speisen,
  2. Durstigen zu trinken geben,
  3. Nackte bekleiden,
  4. Fremde aufnehmen,
  5. Kranke pflegen,
  6. Gefangene besuchen und
  7. die Toten begraben.

geistige Werke der Barmherzigkeit:

  1. den Zweifelnden recht raten,
  2. die Unwissenden lehren,
  3. die Sünder zurechtweisen,
  4. die Betrübten trösten,
  5. Beleidigungen verzeihen,
  6. die Lästigen geduldig ertragen und
  7. für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten.

Die Gefahr der rein sozialen Richtung ist, die Quelle der Barmherzigkeit in den Hintergrund treten zu lassen und stattdessen gleichsam einen Druck zu verspüren, barmherzig zu sein, sich für andere aufzuopfern, sozial zu handeln – aber eben mit der Zeit auszulaugen, da man sich selbst nicht mehr nähren lässt und aus dem Blick verliert, warum man eigentlich so handeln soll oder will. Eben, wie ich es formuliert habe: Barmherzigkeit, das heißt, ich muss barmherzig sein, ganz so, als könne und müsse ich das aus eigener Kraft.

Nun aber gibt es meiner Meinung nach eine dritte Herangehensweise, die manches Mal ein wenig zu kurz kommt, aber von jener Quelle handelt: Die Barmherzigkeit Gottes gegenüber mir, dem armen Sünder. Denn zuallererst ist Gott mit mir barmherzig und nimmt sich meiner an – lässt mich an seiner unendlichen Liebe teilhaben und zwar ganz egal, wo ich gerade stehe. Und ich frage mich, ob wir nicht über genau diesen Punkt zuallererst und zuvorderst mehr nachdenken, ja, ihn betrachten müssten: Gott ist barmherzig mit mir, Gott liebt mich.
Denn, liebe Leser, können wir uns wirklich vorstellen, was das heißt? Können wir uns wirklich vorstellen, dass es jemanden gibt, der uns mehr als alles liebt, ohne dass diese Liebe an irgendeine Form von Leistung von unserer Seite gebunden wäre? Wir sind es gewohnt, in irdischen Dingen eine Sache für eine andere zu bekommen. Beim Einkauf, in der Arbeit, selbst in Freundschaften – wenige Freundschaften weisen einzelne Momente auf, in denen es wirklich gelingt, den anderen um seiner selbst willen anzunehmen. Gott aber nimmt uns immer um unserer selbst willen an und zwar bedingungslos.

Und erst, wenn ich anfange, zu begreifen, was das bedeutet, bekomme ich eine Ahnung dessen, was Barmherzigkeit heißt. Und erst dann kann ich auch versuchen, diese Barmherzigkeit anderen weiterzugeben. Wenn ich die Ahnung einer Liebe habe, die ein Ozean nicht fassen könnte. Dann kann ich verstehen, wie es sein kann, andere mit den Augen Gottes zu sehen, nicht nach unserer menschlichen Logik, sondern rein als geliebtes Geschöpf des Schöpfers – eine Ansicht, die mir nicht möglich und verinnerlicht sein kann, wenn ich sie rein von außen appliziere, weil man das doch sollte.

Liebe Leser, im Jahr der Barmherzigkeit und am zweiten Jahrestag dieses kleinen Blogs würde ich mir vor allem wünschen, dass jeder von uns den Lichtstrahl einer Ahnung von Gottes unendlicher Liebe bekommt. Wer einmal in den Kontakt mit diesem Lichtstrahl gekommen ist, verspürt aber den Drang, selbst zu einem Lichtstrahl zu werden – immer wieder, auch wenn er viel zu oft scheitert und sich gleichsam von Neuem verdunkelt. Aber eben wegen dieser Gefahr ist es so wichtig, sich stets neu vor Augen zu führen, dass Gott uns liebt. Auch wenn ich glaube, dass wir das im irdischen Leben nie begreifen werden.

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Bildquelle: Radio Vatikan/ANSA
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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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7 Antworten zu Wenigstens zum Jahrestag…

  1. Tarquinius schreibt:

    Dann tue ich mal nicht nur so, sondern gratuliere tatsächlich zum Zweijährigen! (Das verflixte zweite Jahr?) 😉

  2. mirasol schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! 🙂 Und wie schön, dass das jetzt kein Statistik-Beitrag wurde 😀

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Vielen Dank! 🙂 Wo denkst Du hin? 😉 Aber es ist doch erschreckend, dass die katholische Bloggerlandschaft insgesamt gerade etwas…schläfrig wirkt.

      • mirasol schreibt:

        Frühjahrs-Depression… Oder Frühjahrs-Putz, da hat man keine Zeit mehr für was anderes 😉 (Manchmal fällt das eine wohl auch mit dem anderen zusammen… 😀 )

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