Linktipp der Woche: Als Laie (nicht) heilig werden?!

In dieser Woche habe ich einen besonders spannenden Beitrag bei Invenimus Messiam entdeckt. Dort geht es um das Thema „Laienheiligkeit“ – warum sind fast alle Heilige Priester oder Ordensleute? Wo unterscheiden sich geistlicher Stand und Ehe in der Frage, ob und wie man heilig werden kann? Ist das Opfer von Eheleuten oft nicht gleich groß oder gar größer – d.h., ist es nicht schwieriger, gleichsam mitten in der Welt und zutiefst von Menschen umgben (-> Familie) trotzdem Gott niemals aus den Augen zu verlieren, im Gegenteil, alles zu Seiner  höheren Ehre zu tun?

Problematisisert wird z.B., dass man unterbewusst annimmt, Priester und Ordensleute seien per se bereits „näher“ an einem heiligmäßigen Leben, da der Stand selbst schon ein Opfer sei, aber von einem aufopfernden Leben ist sicher auch und zuvorderst bei Eheleuten zu sprechen.

Diese und weitere Fragen behandelt der Artikel und spricht mir dabei ziemlich aus dem Herzen. Leider ist eine Diskussion ausgeblieben, obwohl ich denke, das Thema würde es erfordern. (Vielleicht entbrennt sie ja jetzt, da dieser kleine Blog es noch einmal aufgreift.)

Besonders die Schlussdiagnose, die Vorstellung von Heiligkeit unter Katholiken sei eben wohl revisionsbedürftig – es würde sich bestimmt lohnen, darüber nachzudenken, wie  ein Verständnis von Heiligkeit aussehen würde, das in beiden Ständen gleichermaßen erreicht und honoriert werden könnte.

Und, seien wir ehrlich, ist a) der Großteil der Katholiken nicht Priester oder im Orden und b) sind die aktuell gelebten Ehen vielfach eher nicht am Ideal der Heiligkeit orientiert. Hätten Eheleute mehr das Gefühl, auch in ihrem Stand gehe es um die Nachfolge Christi mit Haut und Haar und gäbe es bspw. gar Vorbilder für solche Lebensführungen, könnte das auch das irdische Erscheinungsbild der Ekklesia ganz praktisch verbessern.

Hier der LINK.

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Wären sie auch ohne ihre berühmte heilige Tochter heiliggesprochen worden?, fragt sophophilo.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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3 Antworten zu Linktipp der Woche: Als Laie (nicht) heilig werden?!

  1. Anonymous schreibt:

    Ferdinand Holböck sowie nach ihm Stefan Wirth haben eine bislang 8 Bände umfassende Reihe „Die neuen Heiligen der katholischen Kirche“ herausgegeben. Darin sind die in den Pontifikaten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zwischen 1979 und 2009 selig- und heiliggesprochenen Christen namentlich aufgeführt jeweils mit einer kurzen Vita.
    Im Vorwort zu Band 5 gibt es u.a. eine Statistik der zwischen 1996 und 1999 von Johannes Paul II. Selig- und Heiliggesprochenen nach deren Stand. Danach waren von insgesamt 220 kanonisierten Christen 30 Laienchristen – das sind 14% und nicht wie vermutet etwa nur 1%.
    24 der 30 Laien sind Märtyrer: 80%.
    Bei den kanonisierten Christen geistlichen Standes waren mit 138 Märtyrern von insgesamt 180 Kanonisierten mit 77% ein ähnlich hoher Prozentsatz Märtyrer wie bei den kanonisierten Laien.
    Es stimmt also nicht, dass ein Laie gegenüber einem Kleriker vornehmlich nur dann den Status der Kanonisierten erreicht, wenn er Märtyrer wird.
    Dass Laien gegenüber Klerikern insgesamt in der Minderheit sind, stört mich dabei übrigens nicht.

    Gerade von diesen Laienchristen haben sich mir einige ganz besonders eingeprägt, z.B. die heiliggesprochene italienische Ärztin Gianna Beretta Molla (Bd. 4/114), der selige österreichische Märtyrer Franz Jägerstätter sowie der Heilige mexikanische Indio Juan Diego (3/195), die Heilige nordamerikanische Indianerin Kateri Tekakwitha (1/42) oder der selige erst 14jährige mexikanische Märtyrer Joseph Sanchez del Rio (7/170).
    Frau Dr. Molla nahm in vollem Bewusstsein um die Konsequenzen
    während der Schwangerschaft mit ihrem 4. Kind den eigenen Tod in Kauf, um das Leben des Kindes zu erhalten.
    Die Tochter nahm an der Selig- bzw. Heiligsprechungsfeier für ihre Mutter teil.

    Der österreichische Bauer Franz Jägerstätter hatte sogar eine uneheliche Tochter vor seiner Heirat und Bekehrung. Er starb als Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen unter dem Fallbeil der Nazis, die er als gottlos ansah und deren Unterstützung als Soldat mit der Waffe er sich aus Unvereinbarkeit mit seinem katholischen Glauben verweigerte. Der Autor Kurt Benesch hat über Jägerstätter einen beeindruckenden gut recherchierten biographischen Roman verfasst: „Die Suche nach Jägerstätter“.

    Dem einfachen mexikanischen Indio Juan Diego erschien die Muttergottes und wirkte das Wunder ihres noch heute erhaltenen Bildes von Guadeloupe in Mexiko auf Diegos Poncho.

    Die wenigen Beispiele zeigen meiner Meinung nach eindrucksvoll, dass auch und gerade Laienchristen in den auch von der Kirche anerkannten Stand der Heiligkeit gelangen können.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen, ergänzenden und inhaltsreichen Kommentar! Absolut, ich stimme zu, dass diese Beispiele das eindrucksvoll zeigen. Es wäre nun noch schön, fände diese Diskussion mit etwas mehr Öffentlichkeit als in dieser Kommentarspalte statt 😉

  2. Herr S. schreibt:

    Joseph Sanchez del Rio wurde heute, am 16.10.2016, in Rom heiliggesprochenen.

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