Wie Vorlesungen beginnen können – Der hl. Bernhard und die zisterziensische Theologie

Eine besonders schöne Vorlesung habe ich seit Beginn des zweiten Auslandssemesters am Mittwoch: Der hl. Bernhard und die zisterziensische Theologie. Der Dozent scheint über das Thema alles zu wissen und ist zugleich glühender Verehrer des hl. Bernhard.

Erhebend ist aber vor allem der Beginn derselben: Wir singen (ja, wir singen!) den lateinischen Hymnus „Jesu dulcis memoria“ des hl. Bernhard. Dieser Hymnus entstand anlässlich des Festes des Heiligsten Namens Jesu, das bis zur Liturgiereform am Sonntag nach Neujahr gefeiert wurde. (Die Tatsache, dass dieses Fest der Liturgiereform zum Opfer gefallen ist, löste bei meinem Dozenten Bedauern aus – ein weiterer Punkt für ihn).

Nun muss man sich das wirklich so vorstellen, dass wir – vielleicht zwanzig – Studenten, Priester, Diakone, Seminaristen, geweihte Jungfrauen, Laien, bevor wir uns wissenschaftlich-theologisch mit dem hl. Bernhard beschäftigen, allmittwöchlich erheben und noch erhebender diesen wunderschönen Hymnus singen. Geht man aus der Vorlesung, hat man ihn noch immer im Ohr.

Der Dozent scherzte schon, in der Prüfung würde es reichen, kennte man diesen Hymnus auswendig:

Jesu dulcis memoria,
dans vera cordis gaudia:
sed super mel et omnia,
eius dulcis praesentia.
Süß ist das Gedenken an Jesus,
es schenkt die wahren Herzensfreuden:
aber über Honig und alles
geht Seine süße Anwesenheit.
Nil canitur suavius,
nil auditur iucundius,
nil cogitatur dulcius,
quam Jesus Dei filius.
Nichts ist schöner zu singen,
nichts angenehmer zu hören,
nichts freudenvoller zu bedenken
als Jesus, Gottes Sohn.
Jesu spes paenitentibus,
quam pius es petentibus,
quam bonus te quaerentibus!
Sed quid invenientibus?
Jesus, Du Hoffnung für die Büßer,
wie treu bist Du denen, die nach Dir verlangen,
wie gütig denen, die Dich suchen!
Doch was erst denen, die Dich finden?
Nec lingua valet dicere,
nec littera exprimere:
Expertus potest credere,
quid sit Jesum diligere.
Die Zunge vermag es nicht zu sagen
noch der Buchstabe auszudrücken:
nur wer es erfuhr, kann glauben,
was es heißt, Jesus zu lieben.
Sis Jesu nostrum gaudium,
qui es futurus praemium:
Sit nostra in te gloria,
per cuncta semper saecula.
Amen.
Sei, Jesus, unsere Freude,
Du unser zukünftiger Siegespreis:
In Dir sei unsere Verherrlichung
für alle Ewigkeit.
Amen.
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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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4 Antworten zu Wie Vorlesungen beginnen können – Der hl. Bernhard und die zisterziensische Theologie

  1. Andreas schreibt:

    Ich versuche mir das gerade im hiesigen akademischen Betrieb vorzustellen … will aber irgendwie nicht klappen … 😉

  2. Tarquinius schreibt:

    Dulce et decorum est, im Ausland zu studieren! 😉

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