Und jetzt wieder einfach nur Jahreskreis?

Gestern ist mir schmerzlich das Ende der Advents- und Weihnachtszeit bewusstgeworden. Liturgie- und mysteriengeschwängert liegt sie hinter uns, jetzt scheint statt des Christkinds nur einer vor der Tür zu stehen: der graue Alltag.

Nun wäre viasvitae nicht viasvitae wenn hier nun nicht stehen würde, wie sehr man auch in diesem grauen1 Alltag Gott finden kann. Tatsächlich aber flog es mir eher zu als dass ich selbst darüber nachdachte. So ist das übrigens meistens mit Gottes Gnade.

Halb verschlafen am Montagmorgen in der Frühmesse sitzend verkündete der erstaunlich wache Priester das Evangelium2:

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. (Mk 1,16-18)

So funktioniert das also bei Jesus. Da wird nicht rumdiskutiert. Mitten in der alleralltäglichsten Alltagsbeschäftigung, der Arbeit für das täglich Brot, kommt der Herr vorbei und fordert Dich auf, sofort alles stehen und liegen zu lassen – und daran, dass die Männer das dann auch noch gemacht haben, sieht man, von welcher Wucht solche Begegnungen sein können.

Was sagt uns das? Na, dass Gott uns mitten im Alltag ruft! Gerade dann, wenn wir wahrscheinlich am allerwenigsten an Ihn denken. Ist das nicht schön? Geben wir auch dem armen grauen Alltag die Chance, ein Ort der Ankunft des Herrn zu sein.

 

1 Oder, richtet man sich nach der Farbe des Stundenbuchs, grünen, wobei sich das doch arg seltsam anhört.
2 In diesem Fall bediente sich die Gnade also der Natur der Leseordnung. Irgendwie und ab und zu ist also in der Liturgiereform doch der Hl. Geist am Werk gewesen.
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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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4 Antworten zu Und jetzt wieder einfach nur Jahreskreis?

  1. Jürgen Niebecker schreibt:

    Tja, im alten Ritus wäre das nicht passiert…
    Da ist morgen der Oktavtag von Erscheinung, also „Taufe der Herrn“.
    Aber am Sonntag, hat uns auch der „Alltag“ ein und es ist ein „grüner Sonntag“; doch eine Woche später ist schon Vorfastenzeit (violett)…

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Meine Ausführungen dazu, dass Gott auch im grauen Alltag mit uns zu tun haben möchte, sind birituell anwendbar 🙂 Aber das war natürlich unsensibel, hier zunächst nur so eindimensional zu denken…;) Was ist denn die Idee der Vorfastenzeit? Wie gestaltet sie den Alltag um?

      • Tarquinius schreibt:

        Paul VI. verglich den Komplex bis zum Osterfest, also Vorfastenzeit, Fastenzeit, Karwoche … mit den Glocken, die eine Stunde, eine halbe, eine Viertelstunde … vor der hl. Messe läuten … und die Gläubigen psychologisch Stufe um Stufe auf das größte aller Feste vorbereiten. Ein anderer sagte über diese Zeit folgendes:
        „Septuagesima ist gleichsam ein Vorspiel zur Fastenzeit. Die Kirche stellt uns im Heiligen Offizium den Sündenfall und seine Folgen vor, die Sintflut, die als Strafe für jene Sünden kam, und das heilige Leben der Patriarchen, die dafür Sühne leisten. Sie drängt uns dazu, in der Bitterkeit unserer Seele all unserer Sünden zu bedenken, sie ernstlich zu verabscheuen, und durch ganzherzige Buße für sie zu sühnen. Die Mittel, welche die Kirche dafür vorschlägt, sind: i) die Arbeit, oder das treue Verrichten all unserer Standespflichten für die Gottesliebe: ‚Geht also in meinen Weinberg‘ (Matth. 20,4); ii) der Kampf gegen die Leidenschaften: die Lesung der Kirche vergleicht uns mit Athleten, die in einem Wettlauf oder Ringkampf teilnehmen, um einen Preis zu gewinnen – sie hält uns an, unseren Leib zu züchtigen, um ihn uns untertan zu machen; iii) die freiwillige Annahme von Leiden und Prüfungen, unsere gerechten Strafen, gemeinsam mit dem demütigen Gebet, sodass sie uns zu Nutzen gereichen: ‚Die Sorgen des Todes umfangen mich … und in meiner Not rief ich zum Herrn.'“

        Vielleicht sagen etwas neuere Liturgiker noch etwas anderes, aber die habe ich gerade nicht zur Hand …

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