Kritik einer Weihnachtspredigt

Die gute Nachricht ist, dass ich es an Weihnachten in diesem Jahr zu einer Christmette geschafft habe. (Dass das in den anderen Jahren nicht möglich war, liegt an einer Reihe von Gründen, die darzulegen diesen Beitrag sowohl untheologisch gestalten als auch sprengen würde.) Die schlechte Nachricht ist, dass ich mit der Predigt wenig einverstanden war.

Die grobe Linie war in etwa, dass uns die Weihnachtsbotschaft verkündet wird und dass wir deswegen jetzt etwas machen sollen. Das Stichwort Flüchtlinge fiel. Vor allem aber ging es immer und immer wieder um das umsetzen, machen, tun…Das Ende war in etwa so: WENN wir uns engagieren, DANN können wir wirklich In dulci jubilo singen…- als sei das Christentum inkl. der Botschaft von Weihnachten der Wenn-Dann-Logik unserer Gesellschaft unterworfen.

Nun bin ich der festen Überzeugung, dass Glaube ohne Werke sinnlos ist (Vgl. Jak 2,14: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“). Ich glaube aber auch, dass am Anfang nicht das Machen steht, sondern das Empfangen und Ja-Sagen zur Botschaft Gottes. Und gerade wenn an Weihnachten die Kirche voll von kirchenfernen Menschen ist, finde ich es ungeschickt, so sehr auf das Machen zu insistieren, anstatt auszudeuten, was es bedeutet, dass Gott Mensch geworden ist. Was es bedeutet, dass wir uns als Mensch von einer Liebe geliebt wissen dürfen, die sich in eben jener Menschwerdung erwiesen hat und deren Liebe wir empfangen, ohne dass wir sie je auf diese Weise erwidern könnten. Und dass Gott, indem er sich so klein macht und selbst Mensch wird, vor allem dazu einladen möchte, dass wir mit ihm in Beziehung treten. Und aus dieser Liebe und dieser Beziehung kann und muss dann auch das entstehen, was wir Selbstannahme und Nächstenliebe nennen. Ich darf mich selbst geliebt wissen, ohne dass ich etwas dafür geleistet hätte (und wer von uns macht sich diese Tatsache wirklich ausreichend bewusst?) und aus dieser geschenkten Liebe kann ich anderen ebenfalls Liebe erweisen, gerade auch dann, wenn sie unter normal menschlichen Maßstäben wenig liebenswert erscheinen oder es Überwindung kostet.

Ich würde mir wünschen, dass gerade an Weihnachten das Besondere der biblischen Botschaft zum Tragen kommt und deutlich werden kann, dass wir eben kein sozialer Verein wie jeder andere sind (obgleich es unglaublich wichtig ist, dass sich so viele gänzlich säkulare Organisationen eben dem Dienst am Menschen verschrieben haben!). Ich bin mir sicher, dass eben jener Zusammenhang der Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe viel dazu beitragen könnte, die Weihnachtsbotschaft und vor allem den zugrundeliegenden Glauben deutlich zu machen. Und natürlich müssen wir uns als Christen ganz besonders für jegliche Menschen in Not einsetzen – aber nicht aus blindem Aktionismus, sondern mit der Kraft des liebenden Gottes.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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