Wie war die Heiligsprechung von Louis und Zélie Martin?

Vorher

Die Messe fing zwar erst um 10.15 Uhr an, aber ich war schon deutlich vorher auf dem Petersplatz, um nicht ganz hinten zu sitzen. Es war schön, zu sehen, wie sich die Plätze nach und nach mit froh gestimmten Menschen füllten, von der Familie mit sechs Kindern bis zu miteinander scherzenden Ordensfrauen. Natürlich hörte man viel Französisch, aber wegen der beiden anderen jetzt Heiligen waren auch viele Spanier und Italiener dort.

IMG_0702

Die Atmosphäre vor der Messe.

So sah die Eintrittskarte aus, die (wie immer bei solchen Ereignissen) umsonst aber benötigt ist:

Die Eintrittskarte.

Die Eintrittskarte.

Die Messe

Die Messe selbst fand ich sehr schön, besonders die musikalische Gestaltung (Choral). Ein für mich berührender Moment war tatsächlich die Heiligsprechung selbst – wie zunächst die Petitio vorgetragen wurde, daraufhin der Papst seine Zustimmung gab und dann alle in das Iubilate Deo einstimmten, ganz so, als würde jetzt wirklich das ganze himmlische Jerusalem von Herzen jauchzen. Und man konnt gleichsam eine Erleichterung, auf jeden Fall aber eine große Freude bei den Anwesenden spüren! Und je länger die Messe dauerte, desto mehr lockerte der Himmel auf und die Sonne schenkte ihre Wärme und ihr Licht. Ganz so, als hätte sich Thérèse gedacht: Ach, bei der Heiligsprechung meiner lieben Eltern, da möchte ich ihnen das Geschenk schönen Wetters nicht verwehren 🙂

Die Petitio.

Die Petitio.

Die Predigt

Die Predigt war für mich der einzige kleine Schwachpunkt des Tages. Papst Franziskus hatte sich offenbar entschieden, sehr stark auf die Texte des Tages einzugehen und dementsprechend zu betonen, wie wichtig es ist, in Demut zu dienen und der weltlichen Versuchung zu widerstehen, sich an die Spitze der Macht setzen zu wollen. Ganz am Ende sagte er dann summarisch einen Satz zu den jeweiligen in dieser Feier heilig gesprochenen Personen und ihrer Umsetzung des Dienens. Bei Radio Vatikan gibt es die Predigt im Worlaut.

Warum fand ich das schade? Es ist immer gut und richtig, aus der Bibel zu schöpfen und es wird eher zu oft darauf verzichtet, die Hl. Schrift in der Predigt in den Mittelpunkt zu stellen. Mich hat es allerdings unglaublich berührt, dass tatsächlich ein Ehepaar wegen der Gestaltung ihres Ehelebens heiliggesprochen wurde und ich dachte: Wow, was für eine Kraft und auch was für ein Anstoß könnte das für unsere Kirche sein! Damit wird deutlich, ganz wie ich es in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, dass auch an Eheleute der Aufruf Jesu ergeht, ihm nachzufolgen!

Schön (ich gebe zu, auch kitschig) wird die vorbildhafte Ehe der Martins in dem Bild zum Ausdruck gebracht, das am Petersdom angebracht war. Sie sind bei sich zu Hause, Zélie hält einen Rosenkranz in der Hand, beide wirken harmonisch. Im Hintergrund stehen symbolisch Brot und Wein auf dem Tisch, daneben liegt die Hl. Schrift. Ein unübersehbares Kreuz hängt an der Wand. Im angrenzenden Zimmer steht eine Wiege und dahinter eine Statue der Gottesmutter. Ohne allzu viel dazu sagen zu wollen: Der Glaube wurde bei ihnen nicht nach der Sonntagsmesse abgelegt, sondern erfüllte zutiefst ihr eigenes Zuhause und konnte gerade so zur Kraftquelle werden.

Kitschig, aber auch sehr schön.

Kitschig, aber auch sehr schön.

So, wie dieses Bild mich angesprochen hat, hätte ich mir gewünscht, dass der Papst bei dieser außerordentlichen Gelegenheit (noch dazu mitten in der Bischofssynode zur Familie) die Ehepaare dieser Welt anspricht, um ihnen zu sagen: Schaut mal, spätestens JETZT habt Ihr ein Vorbild 😉

Conclusio

Wie auch immer, ich habe jetzt ein Vorbild, denn die Geschichte der Martins ist und bleibt außergewöhnlich, insbesondere wie sie ihr großes Leid (vier von neun Kindern haben sie verloren) – es grenzt an ein Wunder – gemeinsam getragen haben.

Schließen möchte ich mit einem kurzen Abschnitt aus der Beschreibung ihrer Vita aus dem Heft zur Heiligsprechung:

„Providentially, Zélie met Louis on the St. Leonard bridge: she encountered a young man whose noble features, reserved bearing and dignified manner impressed her. A voice within quietly whispered: ‚This is the man I have prepared for you.‘ […] Louis and Zélie Martin are sublime examples of conjugal love, of an industrious Christian family concerned for others, generous to the poor and inspired by an exemplary missionary spirit, ever ready to help with parish activities.“ (S. 22)

Orate pro nobis!

Orate pro nobis!

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wie war die Heiligsprechung von Louis und Zélie Martin?

  1. mirasol schreibt:

    Schön, dass es Dir gefallen hat! 🙂
    Das Bild ist schon sehr… Naja, gewöhnungsbedürftig. 😀
    Dennoch gebe ich Dir Recht, dass gerade hinsichtlicher der Synode ein paar Worte des Hl. Vaters hinsichtlich der Heiligsprechung eines Ehepaares erbaulich und angebracht gewesen wären. Umso schöner jedoch, dass Du ein paar Worte gefunden hast. Der Textausschnitt ist wundertollig 😉

  2. Pingback: Von der Rehabilitation der Heiligen in das alltägliche Leben | Cleanse My Heart

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s