Die Frau im Zeitgeschehen und in der Kirche – Vogue-Chefin über Elternzeit

Die Chefin der britischen „Vogue“ hat sich am Samstag in einem Interview mit der Times zu Schwangerschaft und Elternzeit im Beruf geäußert. Dabei sagte sie, es sei frustrating, wenn eine Frau kurz nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit wieder schwanger würde.

Aus diesem Interview, in dem das office über allem steht, geht klar hervor, was für sie einen Wert darstellt. Familie gehört nicht dazu – jedenfalls nicht, wenn sie zu viel Zeit einnimmt.

Was soll eine Frau zu diesem Interview sagen, die mehr als ein Kind möchte und das vielleicht außerdem nicht nach wenigen Monaten in die KiTa geben will?

Immer wieder merke ich, dass es diese Fragen sind, die die Welt bewegen und damit auch die Kirche bewegen sollten. Hier sehe ich in der Gesellschaft außerdem eine große Gefahr: Einerseits wird die Bedeutung der Familie als Kompensationsort für den beruflichen Stress hervorgehoben bis zur Überhöhung (siehe z.B. die Werbung), andererseits wird der Frau keine Zeit zugestanden, eine Familie zu gründen oder ihr gar Zeit zu widmen. Nach der Elternzeit erneut schwanger zu werden sei eben frustrating und es sind z.T. Kommentare zu lesen wie: „Das ist der Grund, warum wir in unserem Unternehmen keine Frauen einstellen, die in einem Lebensalter sind, um schwanger zu werden.“

Gerade diese Fragen könnten eine große Rolle auf der Familiensynode und bei der Diskussion im Vorfeld spielen: Wie lassen sich Familie und Beruf vereinbaren? Wie kann ein aktuelles „Rollenbild“ der Frau in der Kirche aussehen? Wie sieht eine christliche Familie aus? Was kann die Kirche bieten, um bei diesem schwierigen Balanceakt – wie in allen anderen Lebensbereichen – Unterstützung und Heil zu gewähren?

Leider aber beschränkt sich die Beschäftigung größtenteils auf Fragen wie ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden dürfen und wie sich die Kirche zur gleichgeschlechtlichen Ehe verhalten soll.

Der Durchschnittskatholik in seinem Durchschnittsleben, das eben häufig gerade durch die Spannung zwischen Job und Familie geprägt ist, findet sich in diesen Diskussionen wenig wieder. So riskiert die Kirche, gerade bei dem Thema wenig präsent zu sein, bei dem sie doch eigentlich so viel zu sagen hat: die Lebensgestaltung. Das Christentum ist ja keine additive Kultpraxis, die zusätzlich zum normalen Leben dazukommt, sondern ein umfassender Lebensentwurf. Wenn wir uns aber weiter auf oben genannte Fragen beschränken statt daran zu arbeiten, wie man als Kirche Familien vom eindeutig bestehenden gesellschaftlichen Druck entlasten kann, ist es zumindest weniger verwunderlich, warum so viele Familien zerbrechen.

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Die Frau im Zeitgeschehen und in der Kirche abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die Frau im Zeitgeschehen und in der Kirche – Vogue-Chefin über Elternzeit

  1. Tarquinius schreibt:

    Was bleibt zu sagen. Fünf Sterne!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s