Spitzensätze aus dem Theologiestudium

In einer Vorlesung heute wurde (zum wiederholten Maße) nachgewiesen, wie viele Brüche es in der christlichen Tradition gebe. Vor allem, wie sehr das, was die (böse) Metaphysik aus dem echten, christlichen, da vom historischen Jesus (seit wann können wir den so genau erkennen?) gelebten einfachen Glauben gemacht hätte, diesem widerspreche. Aus einer Anregung zu moralisch gutem Leben sei ein verästeltes Dogmengestrüpp geworden. (Ich vereinfache).

Vor allem sei es vollkommen widervernünftig, davon auszugehen, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, da sich die Attribute dieser jeweiligen Naturen widersprächen (ewig – endlich, allmächtig – ohnmächtig, etc.). Und es sei ja vollkommener Irrsinn, an jemanden zu glauben, dessen Beschreibung per se widersprüchlich sei.

Überhaupt habe der historische Jesus von sich doch überhaupt gar keine Gottheit ausgesagt, was anhand von Bibelstellen  nachgewiesen wurde.

An diesem Punkt flog dann eine virtuelle, flügelschlagende Taube in die PowerPoint-Präsentation und der resümierende Kommentar des Professors lautete: „Da hilft dann der Hl. Geist au nix mehr.“

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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8 Antworten zu Spitzensätze aus dem Theologiestudium

  1. Andreas schreibt:

    Jetzt im Kino: „Der Fluch von Bologna“ – anders kann ich mir nicht erklären, warum man ppt-Vorlesungen mit solchen Zombie-Thesen besucht. Die waren ja schon zu Lebzeiten Bultmanns scheintot … 😉

  2. Ist der Prof. zufällig Dogmatiker, der den Wust an dogmatischer Literatur aufräumen will, man solle nur sein Standardwerk nehmen (Kaufempfehlung an alle Studenten, alle Exemplare der Erstausgabe zum günstigen Preis von 99,- € noch zu haben) das gestützt wird von seinem Buch über Exegese und das Buch über Kirchengeschichte (Preis und Auflage siehe oben). Bald auch im Sammelband alle drei Bücher zusammen für nur 499,- €?

  3. Gast auf Erden schreibt:

    Aus einer Anregung zu moralisch gutem Leben sei ein verästeltes Dogmengestrüpp geworden. (Ich vereinfache).

    Das ist, auch ohne es vereinfacht auszudrücken, wie Sie meinen, völlig richtig.

    Aus dem zentralen Gebot des Christentums, das wir von unseren älteren Geschwistern den Juden übernommen haben: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! haben wir einen Katechismus von fast dreitausend Paragrafen auf über achthundert Seiten gemacht, in dem das zentrale Wort unseres zentralen Auftrags „Liebe“ noch nicht einmal allzu oft vorkommt. Da ist dem katholischen Lehramt etwas anderes viel wichtiger und wird viel häufiger angesprochen, als die Liebe. Dreimal dürfen Sie raten, wie dieses wichtigste aller Wörter im Katechismus lautet.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Das würde mich tatsächlich interessieren!

    • Andreas schreibt:

      Der ebenfalls nicht mehr neue Versuch, Orthodoxie und Orthopraxis gegeneinander auszuspielen … vielleicht sollte man einfach mal lernen, zwischen einer Offenbarungsschrift und einem nachgeordneten Lehrbuch zu unterscheiden. Und übrigens: die Rede vom „lieblosen“ Katechismus / Lehrgebäude etc. ist auch so ein Topos, der nicht wahr wird, nur weil man ihn oft genug hersagt.

  4. Florian schreibt:

    Das kommt mir bekannt vor – ich les Deinen Blog seit einiger Zeit, hab aber nicht gewusst, dass Du in München studierst 😀 In der Vorlesung war ich auch, und die Taube hat mich mit am meisten aufgeregt. Diese flapsige Art, mit der mal eben 1700 Jahre dogmatische Entwicklung weggefegt wurde!
    Ich war aber froh, dass sich daran so eine lebhafte Diskussion entwickelt hat und dass vor allem von den Kommilitonen Widerspruch kam.
    Das, war der gute K. da meinte, ist wirklich schon seit ’nem halben Jahrhundert out 😉

    Grüße und bis bald 😉

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Herzliche Grüße zurück, es freut mich, dass Du Dich für meinen Blog interessierst und die Vorlesung ähnlich empfunden hast! Ich würde auch die flapsige Art als Hauptproblem nennen, inhaltlich müsste man viel differenzierter darauf eingehen als ich es in meinem (emotional gefärbten) Beitrag getan habe.

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