Heute in der Uni – Diskussion über die Unauflöslichkeit der Ehe

Heute in der Uni diskutierten wir unter Studenten über die Unauflöslichkeit der Ehe. Ich brachte im Verlauf des Gesprächs eines meiner liebsten Argumente, warum es meiner Meinung nach aktuell beim Thema Ehe so schlecht aussieht und so viel Unverständnis für die sakramentale Dimension da ist.

Denn die Ehe ist ebenso eine Lebensentscheidung wie die Priesterweihe oder der Eintritt in einen Orden. Der Unterschied: Bei den beiden letzteren bekommt man eine mehrjährige Ausbildung, um sich geistlich und persönlich vertieft auf diese Lebensform vorzubereiten. Die Ehevorbereitung dagegen besteht häufig aus einem Gespräch, in dem u.a. die Lieder und die Lesungen für die Trauung herausgesucht werden…Kurzum: Kein Vergleich! Hier müsste man einhaken und die Ehevorbereitung ausbauen sowie verbessern, damit die Brautleute eben gleichfalls spirituell und persönlich auf ihre Lebensform vorbereitet und gestärkt werden, diese nicht bei den ersten Schwierigkeiten aufzugeben.

Darauf wandte eine Studentin ein, der Seminarist könne im Seminar seine zukünftige Lebensform über mehrere Jahre erproben und sehen, wie er mit einem enthaltsamen ehelosen Leben klarkommt, bevor er sich endgültig entscheidet. Bei der Ehe dagegen gebe es diese Möglichkeit des Probierens nicht, da die Kirche es nicht erlaube, dass man vor der Ehe eheähnlich zusammenlebt.

Ich hatte gegen diesen Einwand kein K.O.-Argument. Ich sagte zumindest, dass ich nicht glaube, dass man auch nach ein paar Jahren „Ausprobieren“ im Seminar schon sicher sein und voraussehen kann, dass man auch in 20 Jahren noch glücklich Priester sein wird.

Jetzt kam mir zusätzlich, dass das Leben im Seminar sich doch (und dann wäre es vergleichbar mit der Ehe) vom späteren Leben des Priesters unterscheidet, wenn man annimmt, dass er Gemeindepfarrer wird. Denn im Seminar hat man (im Idealfall) ein klösterliches und gemeinschaftliches Leben, d.h. man bekommt immer wieder Anregungen für das geistliche Leben (auch in trockenen Zeiten) und hat eine lebendige Gemeinschaft unter Gleichgesinnten. Später dagegen lebt man mutmaßlich allein in einem Pfarrhaus und kommt dementsprechend Abend für Abend in die Leere zurück, die man selbst füllen muss. Ebenso ist man ganz auf sich allein gestellt, das Stundengebet zu pflegen und hat keine äußeren „Stützen“ wie gemeinsame Gebetszeiten im Seminar.

Dennoch: Gibt es vielleicht noch mehr, was man auf diesen Einwand erwidern kann? Oder ist der Vergleich Ehevorbereitung/Ausbildung zum Priester bzw. im Orden doch nicht so geeignet?

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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6 Antworten zu Heute in der Uni – Diskussion über die Unauflöslichkeit der Ehe

  1. Marcus der mit dem C schreibt:

    Nun, soweit mir bekannt, kommen Priesterkandidaten nicht frisch aus dem Reagenzglas ins Seminar ebenso wie Heiratswillige nicht „frisch entkorkt“ sind, daher hat jeder je nach den Verhältnissen gewisse Einblicke in das Familienleben. Aber die bedeuten nicht zwangsläufig, daß man auf alle Wägbarkeiten und Unwägbarkeiten vorbereitet ist. Ebenso ist es mit der Berufung, erst wenn man in der Mühle drin ist, weiß man wirklich worauf man sich eingelassen hat. Das ist aber kein Plädoyer für den Notausgang aus dem Priesteramt oder dem Ehehafen, sondern als (hoffentlich) gebildete & denkende Wesen, sollten wir nach reiflicher Überlegung in der Lage sein, eine verantwortliche Entscheidung zu treffen. Leider ist dieses verantwortliche Denken nur noch hip, wenn es um die Frage der biologischen Abbaubarkeit des Klopapiers geht, aber nicht bei zwischenmenschlichen Beziehungen, bei der egoistische Bedürfnisbefriedigung als „gelebte Freiheit“ glorifiziert wird. Vielleicht ist auch in dem Zusammenhang ein Blick auf die Orden hilfreich:
    Postulat (unterschiedlich)
    Noviziat (1Jahr)
    Terziat (3 Jahre)
    Feierliche Profeß
    Ein gestaffelter Entscheidungsprozeß, der mehrfach nachfragt und rückkoppelt, und trotzdem kommt es immer wieder zu Exklaustrationen.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      …womit deutlich wird, dass, egal wie sehr ausprobiert wurde, eine letzte Sicherheit nie gegeben ist und man am Schluss immer „springen“ muss. Vielen Dank für die Beteiligung an der Diskussion!

  2. Tarquinius schreibt:

    Einfache Lösung: Dann sollen halt alle erst eine religiöse Berufung austesten, wenn das nichts ist, tja dann bleibt ja kaum noch was anderes übrig. 😀
    Letztlich sehen wir aber ja, dass Ausprobieren allein in beiden Fällen nichts nutzt. Egal ob bei den Verheirateten oder Religiosen. In beiden Fällen haben wir ein bedingungsloses Sich-Schenken an den Anderen, an Gott und die Kirche oder an den Ehepartner. Als Menschen, die wir sind, werden wir diesem Versprechen freilich nie vollkommen gerecht, immer halten wir ein Stückchen zurück, bewusst oder unbewusst … und müssen ständig mit uns ringen. Eine priesterliche Berufung ist nicht mehr und nicht minder romantisch als die zur Ehe. Auch da gibt es Licht- und Schattenseiten, eine erste Liebe und einen ersten Ruf nach Opferbereitschaft. Wächst die Liebe nicht, wird sie nicht vertieft zu einer aufopfernden Liebe, dann scheitert auch Institution.

    Ich sehe eine Parallelführung von Ehevorbereitung und Priesteramtsausbildung vor allem auch darin, dass dort ein Bewusstmachen der sakramentalen Dimension geschehen sollte. Man kann davon sprechen, dass wir da vor einem Wunder stehen. Jesus Christus selbst wird unfehlbar die Gnaden zur Verfügung stellen, die zur Einhaltung des Versprechens nötig sind. Wir öffnen uns damit einer nicht mehr nur menschlichen, sondern göttlichen Liebe. Mit dieser haben wir Möglichkeiten, die uns andernfalls vermutlich verschlossen bleiben würden, nämlich unserer Hingabe eine gewisse Universalität und Unendlichkeit zu verleihen.

    Wenn man schon vom Vorteil der Seminaristen spricht, eben sich den geistlichen Stand auszusuchen, dann sollte man doch auch sagen, dass es die Eheleute doch im Grunde da nicht schlechter haben. Sie können sich ihren Partner schließlich auch aussuchen! Wiederum ähnelt sich die Situation, wenn einem nach gewisser Zeit die Gemeinde oder Gemeinschaft, oder eben der Ehepartner … nicht mehr so zusagt, wie früher einmal. Die Schwierigkeit besteht nun darin, die Liebe in der Not zu vertiefen, oder man hört auf zu lieben. In den weltlichen Beziehungen sehen wir das nur all zu oft. Sie genießen niemals die gewachsene und vertiefte Liebe, die aus der Mühseligkeit folgt. (Übrigens wird das dann doch noch in einer Verbindung zugestanden, nämlich der von Eltern mit ihren Kindern – sie sollen und müssen sie lieben und in der Liebe verharren, komme was da wolle).

    Nur darf man sich nicht der frömmlerischen Versuchung hingeben, eine recht vorbereitete Ehe und viel Gebet mache alles angenehm und gut. Das klappt genau so wenig beim Pfarrer. Erfolg in der Liebe sind nicht gleich Tröstungen der Liebe. Durch die sakramentale Garantie dürfen wir aus Gottes Stärke schöpfen, um beharrlich bleiben zu können. Ein Trost muss daraus nicht zwangsweise folgen.
    So ist Ehe und Priestertum auch gleichermaßen eine Schule der Heiligkeit. Je mehr die Ehepartner sich gegenseitig und der Priester seinen Dienst liebt, um so mehr wächst auch die Liebe zu Gott.

    Okay, nun habe ich das Thema wohl etwas verfehlt. 😉 Jedenfalls scheinen mir die, die eheliches Leben „ausprobiert“ haben, nicht mehr oder weniger vorbereitet als unerprobte Paare. Die eigentliche Probe ist das andauernde gemeinsame Leben, und um diese Prüfungen zu bestehen, muss die Ehe erst einmal richtig verstanden werden. Ohne Lernen kriegt man Klausuren ja zumeist auch nicht so gut hin. 😉

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Nach diesem langen Kommentar muss ich Dich ja bald als Co-Autor deklarieren 😉 Nein, Du hast das Thema nicht verfehlt! Vielen Dank für Deine sehr ausführlichen und bereichernden Ausführungen! Ich denke auch, dass wir natürlich nicht so tun dürfen, als wäre eine sakramental geschlossene Ehe immer Friede-Freude-Eierkuchen. Aber man könnte vielleicht noch stärker herausarbeiten, was es bedeutet, dass Gott „mit im Bunde“ ist – und zwar nicht poetisch-schwammig, sondern existentiell, wie Du es im zweiten Abschnitt andeutest.

  3. Martin schreibt:

    Was soll ich zu diesem Thema sagen. Ich bin seit mehr als sechzig Jahren mit meiner Frau verheiratet. Über den sakramentalen Charakter der Ehe wurden wir in einem ordentlich fundierten Religionsunterricht aufgeklärt. Wir wußten von der Unauflöslichkeit der Ehe, als wir uns in der Kirche das „Ja-Wort“ gaben. Auch in unserer Ehe ging es nicht immer nur himmelhoch jauchzend zu und auch früher gab es andere hübsche Frauen und Mädchen. Ausschlaggebend war das gegebene Versprechen zur Treue und der gemeinsame Glauben. Wir hatten außerdem gelernt, daß man die Flinte, wenn es Probleme gibt, nicht ins Korn wirft, sondern durchhält. Mir scheint oft, daß die Härte gegen sich selbst heute weitgehend verloren gegangen ist und der Glaube als Fundament ebenso.

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