Meckern über Theologieprofessoren

Zunächst: In dieser Woche freute ich mich besonders über den Beitrag „Das ewige Ostern“ von Andreas, der mir damit aus der Seele sprach – Ostern ist lange nicht vorbei, ebenso intensiv wie um das Fasten vorher sollten wir uns aktuell um das Freuen kümmern! Und ich freue mich tatsächlich viel im Alltag, beim Lesen von Blogs, in einem netten Gespräch, im Gebet, wenn ich das Gefühl habe, Gott durchschaut mich gerade mal wieder ganz, und, ja, auch in der Universität.

Dennoch muss ich wieder über die Lage der Theologie in Deutschland meckern, auch wenn ich kürzlich erst ein wenig ironisch die Traditionsvergessenheit angeprangert habe – es geht nicht anders.

Am Mittwoch nämlich hörte ich in einer AT-Vorlesung gefühlt zum hundertsten Mal, dass JHWH (dessen Name freilich immer rücksichtslos ausgesprochen wird) ursprünglich nicht aus Israel käme, sondern quasi dorthin eingewandert sei, sein Ursprung sei wohl die Gegend um den Golf von Akaba. Außerdem sei er äußerst gewalttätig und – jetzt kommt’s – erscheine häufig mit den Begleitumständen eines Wettergotts. Zusammenfassend: Der „Gott des AT“, so wie er hier präsentiert wird, ist ein brutaler Wettergott mit Migrationshintergrund.

Mag sein, dass man historisch-kritisch die Stellen so lesen kann. Mag sein, dass das religionswissenschaftlich eine zutreffende Beschreibung der Sachlage ist. Aber an der katholisch-theologischen Fakultät wird eine bekenntnisgebundene Wissenschaft gelehrt, nämlich Katholische Theologie! Und, wie treffend drückte es ein anderer Professor diese Woche aus, wir Theologen sammeln nicht einfach lauter historische Fakten, die alle die Tradition in Zweifel ziehen, und sagen dann: Boah! Uns muss es danach darum gehen, wie wir damit umgehen.

Am Mittwoch allerdings hatte ich nicht das Gefühl, mir würde irgendeine Hilfe an die Hand gegeben, wie ich es jetzt schaffen sollte, das Alte Testament nicht komplett zu verwerfen. Der besondere Nebeneffekt ist, dass einem gleichzeitig mit großer Sorgfalt diejenigen Psalmen zertrümmert werden, die einem im Breviergebet besonders ans Herz gewachsen sind, wie z.B. derjenige aus dem Buch Habakuk, der mit den schönen Worten endet „Gott, der Herr, ist meine Kraft. Er macht meine Füße schnell wie die Füße der Hirsche und lässt mich schreiten auf den Höhen“ (Hab 3,19) – und fleißige viasvitae-Leser wissen, dass ich es mit den Hirschen besonders habe 😉

Ich will nicht ausschließen, dass es im Lauf der Vorlesung noch einmal zu einem hermeneutischen Teil kommt, aber zumindest die geplante Gliederung lässt einen solchen nicht vermuten.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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5 Antworten zu Meckern über Theologieprofessoren

  1. Andreas Ast schreibt:

    Abseits nun aller gewiß berechtigten Forschung … als ob es eine Rolle spielte, aus welchem Golf der Name gestiegen ist ( 😉 ), den ER annahm, um sich uns nennend mitzuteilen. SEIN Sohn hat schließlich aus Maria Fleisch angenommen, was wir Inkarnation nennen, „invocatio in creaturam“ könnte man analog das Eintreten SEINES Namens in die Geschichte heißen. Und auch hier gilt (mal wieder): Gratia supponit naturam.

  2. Tarquinius schreibt:

    Das ist doch alles noch gar nichts! Mich ärgern nicht nur die Professoren, nein, ich werde sogar von den Professoren geärgert! Und das nur aufgrund meiner glasklaren moselfränkisch-mittelhessischen Aussprache unseres geliebten Hochdeutschen. Kann isch doch nischts für, wenn irgendwelsche Dozenten aus Münschen-Augsbursch nischt so gut Deutsch können!!! :-(((

  3. Pingback: Lustiger Nachtrag zum Wettergott | viasvitae

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