Ein Leben in Klausur und im Gebet – sinnlos?

Viele Menschen würden es wohl als sinnlos empfinden, ein Leben in Klausur zu verbringen, das ganz dem Gebet gewidmet ist, so wie es die Klarissen tun. Nun habe ich mir in der internationalen franziskanischen Buchhandlung in Assisi (direkt neben S. Maria degli Angeli, sehr zu empfehlen) ein kleines Büchlein über Klara von Assisi gekauft, da ich bei dem Besuch gemerkt habe, dass ich schon viel über Franziskus weiß, aber noch immer zu wenig über Klara.

Das Buch ist nun selbst von einer Klarissin geschrieben, Chiara Augusta Lainati, und das hat es mir auch so sympathisch gemacht, denn sie ist begeistert von der Mutter ihres Ordens und das spürt man auf jeder Seite.

Sie ist auch sehr bemüht, zu erklären, warum eine junge Frau sich dazu entscheidet, die Welt zu verlassen und ein Leben in Klausur zu beginnen, und warum sie so gerade mit der Welt verbunden und dies alles nicht sinnlos ist.

Eine besondere Stelle möchte ich auf diesem Blog teilen, da es dort eben um jene Frage geht, und die Autorin zur Erklärung auf einen Text von Romano Guardini zurückgreift, der, wie ich meine, passender nicht sein könnte.

„Das Gebet der heiligen Klara ist also ein Kreislauf der Liebe, von Gott zu den Menschen und von den Menschen wieder zu Gott. Die Klausur ist der Weg, durch den dieser Kreislauf Verwirklichung finden kann.
Was ist das Ziel alles dessen?, fragt sich vielleicht jemand. Wir können mit einem Text von Romano Guardini antworten, wo er vom Sinn des Weihrauchs in der liturgischen Verwendung spricht: “Ich sah, ein Engel kam, und er trug ein goldenes Rauchgefäß und trat vor den Altar. Und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben…Und der Duft des Räucherwerkes stieg durch die Gebete der Heiligen aus der Hand des Engels zu Gott empor.‘ So spricht die Geheime Offenbarung.
Es liegt so edle Schönheit darin, wie die klaren Körner auf die Glut gelegt werden, und nun aus dem geschwungenen Gerät der duftende Rauch aufsteigt. Wie eine Melodie ist es, von beherrschter Bewegung und Wohlgeruch. Ohne allen Zweck, rein wie ein Lied. Schönes Vergeuden von Kostbarkeit. Schenkende, alles hingebende Liebe.
Wie damals, als der Herr in Bethanien saß, und Maria kostbares Nardenöl hertrug, und goß es über die heiligen Füße und trocknete sie mit ihren Haaren, und der Duft füllte das ganze Haus. Enger Sinn murrte: ‚Wozu die Verschwendung?‘ Gottes Sohn aber sprach: ‚Laßt sie, es ist auf den Tag meienr Grablegung geschehen.‘ Ein Geheimnis des Todes war hier, der Liebe, des Duftes und des Opfers.
Und dies ist auch im Weihrauch: ein Geheimnis der Schönheit, die von keinem Zweck weiß, sondern frei aufsteigt. Der Liebe, die brennt, und verbrennt, und durch den Tod geht. Und auch hier steht der dürre Sinn und fragt: Wozu das alles?
Ein Opfer des Duftes, und die Schrift selbst sagt: Das sind die Gebete der Heiligen. Sinnbild des Gebetes ist der Weihrauch, und gerade jenes Gebetes, das an keinen Zweck denkt; das nichts will und aufsteigt wie das Gloria nach jedem Psalm; das anbetet und Gott danken will, ‚weil er so herrlich ist‘.
Gewiß kann in solches Sinnbild Spielerei kommen. Die duftenden Wolken können auch schwüle Geheimnisstimmung bringen, religiöse Sinnenspielerei. Ist es so, dann hat das christliche Gewissen recht, wenn es Einspruch erhebt und das Gebet auf ‚den Geist und die Wahrheit‘ weist; es mahnt, keusch zu sein und redlich. Aber es gibt auch eine Philisterei in der Religion, die kommt aus kargem Sinn, aus dürrem Herzen, wie das murrende Wort des Judas von Kariot. Hier wird das Gebet zu geistlicher Nutzbarkeit, soll wohl gemessen sein und bürgerlich vernünftig.
Diese Art weiß nichts von der königlichen Fülle des Gebetes, die schenken will. Weiß nichts von tiefer Anbetung, weiß nichts von der Seele des Gebetes, die überhaupt nach keinem Warum und Wozu fragt, sondern aufsteigt, weil sie Leibe ist und Duft und Schönheit. Und je mehr sie liebt, desto mehr ist sie auch Opfer, und der Duft kommt aus zehrendem Feuer.‘ (R. GUARDINI, Vom heiligen Zeichen, Mainz 1929, 46-47)“

Aus: Lainati, Chiara Augusta, Die heilige Klara von Assisi, S. Maria degli Angeli – Assisi 2011, 80-82.

Ich würde der Autorin absolut zustimmen, dass diese Beschreibung des Weihrauchs allzu passend ist, um die Berufung der Klarissen zu beschreiben, die sich selbst hingeben rein aus Liebe.

Blick auf S. Maria degli Angeli

Blick auf S. Maria degli Angeli

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ein Leben in Klausur und im Gebet – sinnlos?

  1. Pingback: Von der Würde der Verschwendung für Gott | viasvitae

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s