Werktagsmesssen und eine Versuchung der erneuerten Liturgie

Werktags in einer größeren Stadt in die Messe zu gehen hat immer etwas von Lotto spielen. Man weiß nie, welcher Priester aus der Tür der Sakristei treten wird und was seine besonderen Eigenheiten sein werden.

Gestern Abend begegnete mir einer, der einer bestimmten Versuchung nachgab, die ich einmal in einer Predigt in der Theaterinerkirche als solche benannt gehört habe: an jeder möglichen Stelle eine Predigt einzubauen. Das begann bereits bei der Statio, mögliche Orte sind aber freilich noch der Friedensgruß, der Segen, bei manch Hartgestottenem gar das Hochgebet (so schlimm war es gestern nicht).

Dennoch: Es führte zu einer großen Ablenkung. Ich weiß nicht, ob diese Meinung mehrheitsfähig ist, aber für mich geht es in einer Werktagsmesse um die Konzentration auf das Wesentliche. Denn gerade an dieser nicht exponierten Stellung wie am (zumindest meist) freien Sonntag kommt man mit sehr vielen Gedanken und Gefühlen zur Messe – und hat durch den Arbeitstag genug Eindrücke, als dass man noch – gleich mehrere – Predigten bräuchte.
Insbesondere bei einer Werktagsmesse also würde ich mir eine sehr schlichte, gewiss dennoch feierliche, Form der Zelebration wünschen, die auf allzu umfangreiche „Gestaltungselemente“ verzichtet.

Gleichzeitig fühle ich mich immer sehr schlecht, wenn ich mir wünsche, dass ein Gottesdienst, der Kern und die Quelle christlichen Lebens, schneller vorbeigehen soll…Da kann ich nur auf den Herrn schauen und ihn bitten, mich Geduld zu lehren.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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2 Antworten zu Werktagsmesssen und eine Versuchung der erneuerten Liturgie

  1. Andreas schreibt:

    Och, da gibts aber noch viel mehr Möglichkeiten … vor der Lesung … vor dem Evangelium … bei den Fürbitten … beim Vaterunser … vor der Kommunion … nach der Kommunion!

    Aber ich glaube, Deinen Eindruck teilen zu können. Bei der ein oder anderen Messfeier würde ich am liebsten – natürlich selbstermächtigt in gottesvolklicher Berufung – manch redseligem Herrn „Komm mal zum Punkt, also zur Liturgie“ zurufen … 😉

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