Bischof Oster reagiert auf Bischof Bonny

Obwohl er gerade in Rom auf dem Kurs für die neuen Bischöfe ist, hat Bischof Oster sich die Zeit genommen, auf Facebook auf den Text von Bischof Bonny zu reagieren, der darin die Lehre der Kirche zumindest stark angefragt hat.
Auch hier lohnt es sich einfach, den Text zu lesen. Bischof Oster ist meiner Meinung nach ein Geschenk für die deutsche Kirche, in der so viele Dinge schlecht sind. Wenn wir nun jemanden haben, der so offen und herzlich aber doch so deutlich über das spricht, was Kirche und Glauben ausmacht, dann sollten wir diese Chance auch nutzen.
Sehr schön finde ich das Niveau des Textes. Es geht dem Bischof nicht darum, seinen Amtsbruder zu „zerreißen“ oder dergleichen. Stattdessen bedankt er sich am Anfang für dessen Engagement und würdigt jedes ernsthafte Ringen um die Frage der Gestalt der Kirche in unserer Zeit.

Der Anspruch des Glaubens gegen jede Form der Dualität
Zentral stellt er nichtsdestotrotz den Anspruch des Glaubens und damit den Anspruch des Herrn heraus, der allzu oft unterschlagen wird. Er wehrt sich damit v.a. gegen jede Art der Dualität, sei es liebender Jesus – böses Gesetz, sei es Gewissen – Naturrecht, sei es konkreter Einzelfall – abstrakte Lehre. Wie in seinem eigenen langen Text geht es ihm um die Verbindung von Barmherzigkeit und Wahrheit, um eine ganzheitliche Antwort.

Gegen jede Trennung gilt: „Jesus steht nicht einfach auf der Seite des Einzelnen gegen ein vermeintlich abstraktes Gesetz, Jesus ist vielmehr in Person die Versöhnung von Wahrheit und Liebe, von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, von unverfügbarer Heiligkeit und radikaler Nähe zu den Menschen.“

Gott will mehr von uns
Und wenn Jesus nun absolute Zuwendung ist und den Menschen ohne Vorleistungen liebt, heißt das dennoch nicht, dass der Mensch nach der Begegnung Jesu so bleiben soll wie er ist – und damit eben nicht so nach weltlichen/menschlichen Maßstäben weiterleben soll wie er es zuvor getan hat. Dazu schreibt Bischof Oster: „Ja, Jesus holt uns dort ab, wo wir stehen, aber Er will nicht, dass wir dort stehen bleiben. Er liebt uns, wie wir sind, aber er will nicht, dass wir bleiben wie wir sind.“

Immer wieder tritt in dem Text die Bedeutung der „Bekehrung“ hervor, die ja eben eine neue Ausrichtung meint. Diese, so sagt Oster, komme aber in dem Text des belgischen Bischofs überhaupt nicht vor. Er analysiert, dass wir schon genug Ansätze hätten, die die Wende zum Subjektiven betonten – in dieser Reihe sieht er auch Bonnys Text – und plädiert dagegen für Ansätze, die wieder das Objektive betonen, die „Notwendigkeit unserer Rückkehr zum Vater als Heiligung (und eben in diesem Sinn als ‚Objektivierung‘)“.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr mir Bischof Oster gleichsam aus dem Herzen spricht. Es bleibt zu hoffen, dass er gerade durch seine offene Art und die verständliche Sprache mit seiner Botschaft wirklich ankommt – „seine“ Botschaft, die letztlich darin besteht, wieder mehr auf die Botschaft Gottes zu verweisen.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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