Theologie & Glaube – Wieder etwas Aktuelles von Papst Franziskus

Nachdem ich das letzte Mal wenig glücklich über die Worte des Papstes zur Theologie war, hat er sich nun ganz in meinem Sinne geäußert. Dieses Mal ging es nicht um Theologie allgemein, sondern um einen Teilbereich, nämlich die Exegese, um die es, wie ich finde, heute besonders schlecht steht.

Anlässlich der 43. Nationalen Bibelwoche sprach der Papst vor den Mitgliedern der italienischen Bibelgesellschaft im Vatikan. Dort zitierte er Johannes Paul II.: „Die katholische Exegese hat nicht das Recht, sich wie fließendes Wasser im Sand einer heuchlerischen Analyse zu verlieren.“ Er betonte, dass die akademische Bibelauslegung vor allem dazu diene, den Gläubigen Gottes Botschaft tiefer zu erschließen. Dies gelinge nur, wenn die Exegeten selbst im ständigen Austausch mit Gott seien, besonders durch das Gebet. (Quelle der Papstworte: Radio Vatikan)

Das hat mir alles sehr gut gefallen. Vielfach habe ich nämlich das Gefühl, die Exegese weiß gar nicht, wem oder was sie dient. Vielmehr wird schlicht der Text von vorne nach hinten zerstückelt, in allen Arten der Analyse, Formanalyse, Redaktionsanalyse, etc., und am Ende steht man vor einem Schutthaufen. Aha, dieser Text ist als völlig uneinheitlich, offenbar über viele Jahrhunderte gewachsen, wurde von unterschiedlichen Autoren bearbeitet, und – wenn Worte des Herrn dabei waren – das sind gewiss nicht Jesu Worte gewesen, sondern das wurde später eingefügt.
Was man allerdings dann mit diesem Schutthaufen anfangen soll, dazu schweigen die Exegeten.
Was also soll das bringen? Hier fehlt, meine ich, eine grundsätzliche Hermeneutik bzw. Herangehensweise. Die Exegesen müssten sich fragen: Was möchte ich mit meiner Arbeit erreichen? Wie möchte ich grundsätzlich an die Bibel herangehen? Was ist die Bibel überhaupt für uns (Gläubige/Theologen)?

Papst Franziskus‘ Antwort ist, die Bibelauslegung solle dazu dienen, den Gläubigen Gottes Botschaft näher zu erschließen. Das finde ich eine äußerst gute Antwort. Nur, so gehen die meisten Exegeten meiner Erfahrung nach heute nicht vor. Und die unbedingt nötige Verbindung von wissenschaftlichem Arbeiten und Gebet sehe ich auch selten bzw. kann sie mir vielfach nicht vorstellen – es ist also umso wichtiger vom Papst, auch diese zu betonen.

Auch bei der Exegese gilt für mich wie bei der Theologie überhaupt: Ohne den Dienst am Glauben ist sie wertlos.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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2 Antworten zu Theologie & Glaube – Wieder etwas Aktuelles von Papst Franziskus

  1. Friedlon schreibt:

    Mir scheint, Papst Franziskus spricht immer dann besonders gut, wenn er (wie auch in diesem Fall) seine Vorgänger zitiert.
    Seine Rede vor den örtlichen Bischöfen bei der Korea-Reise war von Inhalt und Stil so benediktil, dass ich fast vermute, die hat man noch unten in einer Schreibtischschublade gefunden …

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