Die Synode und Bischof Osters Modell „Barmherzigkeit & Wahrheit“

Die bevorstehende Synode erzeugt, meinem Eindruck nach, gerade nicht allzu viel Euphorie. Im Gegenteil, mit dem offenen Brief von Bischof Bonny verbindet sich die Befürchtung, es könnten negative Ergebnisse herauskommen, in denen es weniger um die kirchliche Lehre, als vielmehr um eine (unhinterfragte) Angleichung an den Zeitgeist gehen könnte.

Einer meiner aktuell am häufigsten herangezogenen Gewährsmänner, Bischof Oster, hat sich nun quasi in die Kontroverse eingeschaltet, indem er Ende letzter Woche auf Facebook ein 15-seitiges (!) Dokument zur Unauflöslichkeit der Ehe und dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen veröffentlichte. Das hat mir, quod erat expectandum, sehr gut gefallen!

Warum?

– Bischof Oster entschuldigt sich für die Länge des Textes, will damit aber gerade der Komplexität des Themenfelds gerecht werden – schon einmal ein sehr guter Ausgangspunkt!

– Er schreibt, wie immer, nicht „von oben herab“, sondern aus eigener sowohl persönlicher wie pastoraler Erfahrung.

– Er erklärt ausführlich, warum die Kirche von der Unauflöslichkeit der Ehe spricht – das hört man selten.

– Er fordert nach ausführlichen Begründungen, wie ich finde, sinnvolle Dinge (unvollständige Auflistung):

1. Die Ehevorbereitung solle deutlich verbessert werden, da sie häufig nur in einem halbstündigen Protokoll-Ausfüllen bestehe. Wenn aber die Unauflöslichkeit der Ehe, wie er es in seinem Dokument tut, aus dem Glauben begründet wird, müsse dieser auch im Vorbereitungsgespräch vorkommen: Glauben die Eheleute? Glauben sie gemeinsam? Können sie ihren Glauben teilen und bspw. gemeinsam beten?

2. Gerade nicht als Notlösung, wie doch durch die Hintertür Scheidung in der katholischen Kirche möglich wäre, fordert er konsequenterweise, bei bisherigen Ehen zu fragen, ob sich die Eheleute dieser Dimension der Unauflöslichkeit der Ehe aus dem Glauben heraus überhaupt bewusst sein konnten, wenn der Glaube vielfach nicht Thema war. Dies solle bei Ehenichtigkeitsverfahren berücksichtigt werden, aber rückblickend. – Für die Zukunft soll hingegen die Vorbereitung verbessert werden, sodass die Dinge klar sind.

3. Das ganze kirchliche Leben solle sich durch die Verbindung von Barmherzigkeit und Wahrheit auszeichnen. Barmherzigkeit sei den wiederverheirateten Geschiedenen entgegenzubringen, die noch immer Teil der Gemeinschaft seien. Wahrheit sei dem Sakrament geschuldet, das eben eine unauflösliche Ehe beinhaltet.

Auch wenn man von der Länge des Textes abgeschreckt sein mag – die Leküre lohnt sich wirklich sehr. Besonders in der Auseinandersetzung mit Kritikern findet man die ein oder andere nützliche Argumentationshilfe oder auch einfach den entsprechenden Hintergrund, verständlich formuliert.

Dass der Text besonders gut dazu dient, zeigen auch die Facebook-Kommentare darunter. Freilich gibt es auch hier die „üblichen Verdächtigen“, die so gar nicht damit einverstanden sind. Viele Meinungen sind aber erstaunlich berührt von der Botschaft des Bischofs und sagen bspw., dass sie so nun Klarheit hätten bzw. noch nie einen so fundierten Überblick bekommen hätten, auch wenn nun vielleicht ein schwieriges Ringen beginnen würde.

Ich denke, diese Verbindung von Barmherzigkeit & Wahrheit, wie Bischof Oster es mit seiner Verknüpfung von klaren Worten und persönlicher Erfahrung und Menschlichkeit vorlebt, ist ein Modell der Zukunft. Würde die Familiensynode uns in diese Richtung weiterbringen, wäre ich zumindest zuversichtlich.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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3 Antworten zu Die Synode und Bischof Osters Modell „Barmherzigkeit & Wahrheit“

  1. Andreas schreibt:

    In der Tat … fürchte auch ich, daß die „Ehevorbereitung“ schon lange nicht mehr wirklich Wichtiges zur Sprache bringt, etwa die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit sich die Eheleute das Sakrament überhaupt spenden können.
    Das spielen freilich viele weitere Problemfelder mit hinein … wie viele kirchliche Eheschließungen werden wirklich aus dem Glauben heraus getragen? Bei wie vielen geht es vor allem um den, zugespitzt formuliert, Hollywood-Effekt? Die Antwort möchte ich mir kaum vorstellen …

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Danke für Deinen Kommentar! In diesem Sinne schreibt auch Bischof Oster in seinem Dokument: „Die romantische Vorstellung von einer schönen Hochzeit in Weiß in einer großartigen Kirche darf jedenfalls nicht das Hauptmotiv für das Eingehen einer Ehe sein, die wir als Sakrament verstehen.“

  2. Pingback: Bischof Oster reagiert auf Bischof Bonny | viasvitae

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