Monastische Gemeinschaften von Jerusalem

Heute Abend hatte ich die Gelegenheit, nach Köln zu fahren und dort an der Vesper, der hl. Messe und dem Rosenkranzgebet der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem teilzunehmen. Bereits auf dem Katholikentag in Regensburg hatte ich eine Vesper miterleben können, die ich als äußerst schön empfunden hatte.

Die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem sind eine recht junge Gemeinschaft, die vor allem in den Großstädten Oasen des Gebets errichten möchte. Und so fühlte ich mich auch!

Groß St. Martin

Groß St. Martin

Vom Hauptbahnhof schnellen Schrittes in Richtung Kirche eilend, vorbei an lauten Kneipen und Bars, vielen Menschen, die bei dem warmen Wetter am Rhein ein schönes Plätzchen gefunden haben, suchend, die Treppen hinauf hetzend, das Kirchenschiff zum richtigen Eingang umrundend, die Tür öffnend – und da war sie, die Parallelwelt.

Etwa ein gutes Dutzend Schwestern und Brüder vor dem Altarraum, auf den charakteristischen Gebetsbänkchen, dahinter erstaunlich viele Menschen. Ihre Kirche, Groß St. Martin, ist eine wunderschöne romanische Basilika. Sie besticht durch ihre Schlichtheit und gleichzeitige Helligkeit, vor allem merkt man ihr das römische Fundament an und atmet so gleichsam die Ursprünge der Kirche.

Die Monastischen Gemeinschaften haben eine große Nähe zur Orthodoxie, was sich bspw. in den wunderschönen mehrstimmigen Gesängen zeigt. Vor allem möchten sie „einen Gebetsteppich auf dem Straßenpflaster unserer Großstädte ausbreiten“.

Mein Highlight war definitiv der Rosenkranz. Ich habe noch nie einen so ruhigen und bewusst vollzogenen Rosenkranz miterlebt. Gerade bei diesem repetitiven Gebet ist man geneigt, in ein allzu monotones Herunterbeten überzugehen. Heute war das Gegenteil der Fall.

Zum Namen der Gemeinschaften heißt es auf der Website: „Ihr gemeinsamer Name ist „Jerusalem“, die starke Stadt, „dicht gebaut und fest gefügt“ (Ps 121). Dieser Name zeigt ihnen einen Weg zum himmlischen Jerusalem auf, der „wunderbaren Stadt, in der die Herrlichkeit Gottes leuchtet und deren Leuchte das Lamm ist“ (Offb 21,23).“

Es wird bestimmt auf diesem Blog noch mehr Beiträge über die Gemeinschaft geben, die vor allem durch ihre absolut ruhige und innige Ausstrahlung fasziniert.

Hier kann man sich z.B. die Laudes aus Paris St. Gervais der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem anschauen.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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5 Antworten zu Monastische Gemeinschaften von Jerusalem

  1. jos.m. schreibt:

    Die Monastische Gemeinschaft von Jerusalem ist in den siebziger Jahren in Paris entstanden. Damals gab es häufig die Idee, das Alltagsleben mit dem Mönchsleben zu verbinden. Diese Gemeinschaft hat sich sogar eine richtige Regel gegeben, wonach sie leben will. Es stimmt, Elemente aus der Ostkirche sind in ihre Gebete eingegangen. – Sie kenen auch die Monastische Familie von Betlehem? Auch bei ihr gibt es starke Einflüsse aus der Ostkirche, viel intensiver als bei bei jener Gemeinschaft.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, auch die Monastische Familie von Bethlehem kenne ich und bin ebenso von ihr beeindruckt; sie lebt ja noch ungemein kontemplativer und zurückgezogener. Bei den Gemeinschaften von Jerusalem finde ich die grundsätzliche Überlegung, gerade in Großstädten im hektischen und kontingenten Alltagsleben solche Stätten des Gebets zu errichten, sehr gut. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mir diese Berufung nicht leicht vorstelle. Insbesondere, nach dem Gebet die Kirche zu verlassen und mitten im mehr als pulsierenden Köln zu stehen, war nach der Ruhe und inneren Sammlung ein wahrer Schock.

      • Tarquinius schreibt:

        Vielen Dank für den interessanten Beitrag!
        Diese Spannung zwischen monastischer Stille und Großstadtlärm könnte ich wahrscheinlich auch schwer ertragen. Aber um so wichtiger, dass es mutige und berufene Menschen gibt, die das auf sich nehmen. Sie beten ja nicht für sich allein, sondern für die ganze Stadt, für die ganze Kirche – sicherlich erwachsen daraus viele Früchte, die wir niemals erkennen mögen.
        Manchmal höre ich, das Christentum sei ja eine Stadtreligion, und in gewisser Weise ist da natürlich etwas dran – auch wenn mir das als „Kind des Landes“ nicht so sehr schmeckt. Viel lieber stelle ich mir ein, im doppelten Wortsinn, beschauliches Leben der Mönche in Ruhe und Abgeschiedenheit vor. Natürlich ein romantisierendes Bild, da ich auch längere Zeit in religiösen Gemeinschaften verbracht habe, sollte ich wissen, dass es mit der Ruhe und Beschauung so eine schwierige Sache ist…
        Vielleicht ist mir das Christenleben auf dem Land ein kleines Stück lieber, weil hier die Volkskirche, wenn auch in den letzten Zügen, gerade so am Leben ist. Und doch sehe ich dort gleichzeitig vielleicht auch die geringste Hoffnung auf Besserung. Neue Zentren des Glaubens und des Gebetes finden sich eben eher in zentraler Lage. Vielleicht können sie, wie in längst vergangenen Zeiten, ihren Einfluss irgendwann auch wieder auf dem Land spürbar machen…

  2. theresia_viasvitae schreibt:

    Vielen Dank für Deinen Kommentar! Es wäre natürlich ideal, wenn von der Stadt ausgehend auch auf dem Land derlei Impulse erkennbar wären. Aber momentan würde ich schon von einem starken Gefälle ausgehen. Allein, welche „Möglichkeiten“ man in der Stadt im Vergleich zum Land hat. Ich mache selbst die Erfahrung, dass ich „auf dem Land“ in eine Messe in einer kleinen Kirche gehe, auch wenn ich dort aus unterschiedlichen liturgischen Gründen unter anderen Umständen nicht hingehen würde, erstens, weil man ansonsten viel weiter fahren müsste, und zweitens, um dem Priester zu zeigen, dass noch Leute da sind, die gerne kommen und um so vorzubeugen, dass noch weitere Messen gestrichen werden…Somit würde ich sagen, haben sowohl die Stadt als auch das Land spezifische Herausforderungen.

  3. Pingback: Die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem im Video | viasvitae

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