„Lasst uns voll Vertrauen sprechen“ – Eine Beobachtung

Die folgende Beobachtung habe ich schon in ganz unterschiedlichen Bistümern gemacht und diese hat mich doch nachdenklich gestimmt.

Vor dem Vater Unser pflegt der Priester in der hl. Messe ja eine – wie ich finde, recht emotionale – Einleitung zu sprechen. Zur Auswahl steht:

„Dem Wort unseres Herrn und Erlösers gehorsam und getreu seiner göttlichen Weisung wagen wir zu sprechen
bzw.
„Wir heißen Kinder Gottes und sind es. Darum beten wir voll Vertrauen

Und nach dieser klimatischen Einleitung folgt meinen empirischen Beobachtungen zufolge zumeist:

STILLE.

Niemand wagt, zu beten, geschweige denn voll Vertrauen. Meist löst sich die Situation dann, indem der Priester laut ins Mikrofon zu rezitieren beginnt: „Vater unser im Himmel…“

Warum ist das so?

– Haben die Menschen eben kein Vertrauen auf Gott, bzw. wagen sie nicht wirklich, sich an ihn zu wenden, weil ihnen der Glaube fremd geworden ist und sie sich nicht richtig wohl dabei fühlen?

– Ist es peinlich, laut zu beten?

– Erwartet man einfach, dass der Priester beginnt?

– Sind die Einleitungen schlecht gewählt?

Ich finde die Beobachtung auf jeden Fall interessant. Denn diese Stille ist meinem Empfinden nach kein kurzes Sammeln zur rechten Disposition fürs Gebet, sondern meist eine unangenehme Stille, die danach schreit, dass irgendjemand zu beten beginnt. Vielleicht gibt es aber auch ganz andere Meinungen 🙂

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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5 Antworten zu „Lasst uns voll Vertrauen sprechen“ – Eine Beobachtung

  1. Braut des Lammes schreibt:

    Selber finde ich den Wimpernschlag (mehr ist es ja nicht) der Stille nicht unangenehm, ich kann dir aber sagen, was die Leute vermutlich zögern läßt: man weiß, wie das Vater unser geht, zögert aber, dem Priester „ins Wort zu fallen“, vielleicht will *er* anfangen. In unseren Messen schaffen wir es aber eigentlich meist, zusammen zu beginnen, die extraeiligen Zelebranten einmal ausgenommen.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Vielen Dank für Deine Erfahrungen! Ja, es ist freilich nur ein Wimpernschlag. Ich freue mich, zu hören, dass es bei Dir in der Gemeinde gut ist! Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Atmosphäre etwas mit dem Gemeindezusammenhalt und der Vertrautheit zu tun hat, die in guten Gemeinschaften existiert…?!

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Der Eintrag ist zwar nicht mehr brandneu, aber ich habe Dein Blog eben erst entdeckt (und freue mich sehr darüber).
    Zum einen stimmt es, daß viele dem Pfarrer nicht ins Wort fallen wollen, ihn anfangen lassen wollen.
    Zum anderen finde ich die kurze Stille nach der Einleitung schön – ein Atemholen, um mich ganz auf das Gebet des Herrn zu konzentrieren.

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Danke für Deinen Kommentar! Auch das ist natürlich ein guter Punkt, den man nicht vernachlässigen darf. Oft beklagt man ja im Gegenteil, sich nicht genug für das Gebet zu sammeln.
      Es freut mich, dass Du meinen Blog neu entdeckt hast und er Dir gefällt!

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