Theologie & Glaube – Was der Papst ganz aktuell dazu sagt

Papst Franziskus hat heute Morgen in seiner Predigt in Santa Marta die Theologie thematisiert – und passt damit wunderbar in meine Kategorie. Allerdings muss ich gleich vorweg sagen, dass ich mit den Aussagen des hl. Vaters nicht sehr glücklich bin. Einige Schlüsselsätze möchte ich herausgreifen, um anschließend kurz darauf einzugehen:

Zunächst ging es darum, was dem Christen Identität verschaffe. Dies sei der Hl. Geist. Der Heilige Geist verleihe dem Christen Vollmacht, nicht menschliche Weisheit oder Studienabschlüsse in Theologie.
„Worin besteht unsere Identität als Christen? Und Paulus sagt das heute gut: ‚Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt’ (1 Kor 2,13). Die Verkündigung des Paulus ist nicht deshalb möglich, weil er einen Kurs an der Lateranuniversität, an der Gregoriana gemacht hat…“
Dies spitzte er dann noch einmal zu:
„Du kannst fünf Studienabschlüsse in Theologie haben, während du aber den Geist Gottes nicht hast! Vielleicht wirst du ein großer Theologe sein, aber du bist kein Christ, weil du den Geist Gottes nicht hast!“
Aus diesem Grund habe das Volk jene Prediger, jene Gesetzeslehrer nicht geliebt, da sie zwar von Theologie gesprochen hätten, aber nicht zum Herzen vorgedrungen seien: „sie gaben keine Freiheit“. Jene seien nicht fähig gewesen, das Volk seine Identität finden zu lassen, da es ihnen an der Salbung durch den Heiligen Geist gefehlt habe.
„Und oftmals, sehr oft finden wir unter unseren Gläubigen einfache alte Frauen, die vielleicht nicht einmal die Grundschule zu Ende gemacht haben, die aber von den Dingen besser als ein Theologe sprechen, weil sie den Geist Christi haben.“

Meine Gedanken hierzu:

Ich selbst sehe, begonnen bei Religionslehrern, die ja auch dereinst Theologie studiert haben, sehr häufig, dass bei Theologen der Glaube – oder zumindest eine überzeugte, begeisterte Art, zu glauben – fehlt. Deswegen wäre ich die letzte, die sagen würde, hier müsste nicht deutliche Kritik geübt werden.

Was ich jedoch gefährlich finde, ist dieser Dualismus, mit dem Papst Franziskus spricht. Mich dünkt, als spiele der Papst geradezu Theologie gegen den Heiligen Geist aus. Aus seiner Predigt geht für mich die Botschaft hervor: Theologen haben prinzipiell keinen Hl. Geist, auch wenn sie viele Abschlüsse haben, sie sind von der Welt. Einfache Leute wie Paulus oder ältere Frauen haben den Hl. Geist und können Theologen was erzählen, denn diese haben ihn ja grundsätzlich nicht.
Das finde ich wirklich sehr schwierig. Was  ist mit unseren großen Theologen? Was ist bspw. mit dem doctor angelicus, der doch so sehr die Rolle der Vernunft betonte? Es sollte doch gestattet sein, den Versuch zu wagen, mit der Vernunft, mit der Gott uns geschaffen hat, auf philosophisch-theologische Weise in die Tiefen des Glaubens vorzudringen?!

Am wenigsten einverstanden bin ich mit dem Satz: Vielleicht wirst Du ein großer Theologe sein, aber Du bist kein Christ, weil Du den Geist Gottes nicht hast! 

Ich finde, man kann kein großer Theologe sein, ohne Christ zu sein. Man kann kein großer Theologe sein, ohne das Wirken des Hl. Geistes. Für mich gehören Glaube und Theologie zusammen.

Hinsichtlich einer gottlosen und glaubenslosen Theologie kann man gar nicht kritisch genug sein. Ich hätte mir aber gewünscht, dass der Papst hier differenziert Kritik geübt hätte gegen schlechte Verwachsungen oder geistlose Strömungen in der Theologie und nicht, wie er es tat, den Eindruck zu erwecken, entweder Theologie oder Hl. Geist. Das trifft besonders junge, motivierte Theologiestudenten, die daran arbeiten möchten, den Glauben zu verbreiten und vor allem das Feld der akademischen Geisteswissenschaften nicht den Agnostikern und Atheisten zu überlassen, die uns bspw. jüngst eine Ethik verkaufen wollen, mit der man Sterbehilfe rechtfertigen kann.

War meine Interpretation falsch? Meinte es der Papst gar nicht so? War es nur rhetorische Überspitzung? Ich würde mich wirklich darüber freuen, momentan aber bin ich, das muss ich ehrlich gestehen, vor allem eins: enttäuscht.

 

Quelle der Predigt: kath.net

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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6 Antworten zu Theologie & Glaube – Was der Papst ganz aktuell dazu sagt

  1. Tarquinius schreibt:

    Ich denke wirklich, der Papst meint es nicht so oder gibt lediglich wieder, wie ihm „Theologen“ häufig begegnen. Die Figur des „großen Theologen“ ist vermutlich mehr mit dem „großen Gelehrten“ gleichzusetzen, in älteren geistlichen Werken findet man vergleichbar oft die Rede von den stolzen, „großen Predigern“, die zwar gut und schön reden, vielleicht sogar zu Tränen rühren, aber natürlich auch keine wahren Prediger des Wortes Gottes sind.

    Dennoch kann ich Dir ansonsten nur ganz bedingungslos zustimmen. Auch wenn man solche rhetorischen Mittel verwenden kann (und vielleicht war das an diesem Tage in Santa Marta angebracht?), ist es in Hinblick auf die Gesamtkirche absolut nicht opportun! Der Theologe muss sich selbst wieder in allererster Linie als Gottgelehrten verstehen, der aus dem theologischen Leben heraus das von ihm Beschaute weitergibt. Alles andere ist keine Theologie, und in diesem Sinne hat der Heilige Vater recht, auch zig Doktorgrade von den römischen Universitäten werden ihn nicht zu einem Theologen machen.

    Noch ein Wort aus dem Munde der Kirche, aus dem Offizium des hl. Johannes:

    „An der Brust des Herrn ruhend, hat er die Ströme des Evangeliums aus der heiligen Quelle des göttlichen Herzens selbst getrunken und so das gnadenreiche Wort Gottes auf dem ganzen Erdkreis verbreitet.“

    Morgen hoffentlich von mir im Geiste des Aquinaten ein klein wenig dazu, da mir das Thema aber so am Herzen liegt, muss ich dann doch noch den hl. Papst Johannes Paul II. mit „Fides et Ratio“ (1998) zitieren, der mir theologisch oftmals näher als seine beiden Vorgänger liegt:

    „44. Zu den großen Einsichten des hl. Thomas gehört auch jene bezüglich der Rolle, die der Heilige Geist dabei spielt, menschliches Wissen zu Weisheit reifen zu lassen. Bereits auf den ersten Seiten seiner Summa Theologiae zeigte der Aquinat den Vorrang jener Weisheit auf, die Gabe des Heiligen Geistes ist und in die Erkenntnis der göttlichen Wirklichkeiten einführt. Seine Theologie ermöglicht es, die Eigenart der Weisheit in ihrer engen Beziehung zum Glauben und zur Gotteserkenntnis zu begreifen. Die Weisheit erkennt auf Grund ihrer natürlichen Verwandtschaft (Konnaturalität), sie setzt den Glauben voraus und formuliert schließlich ihr richtiges Urteil von der Wahrheit des Glaubens her: »Die Weisheit, die zu den Gaben des Heiligen Geistes zählt, unterscheidet sich von jener (Klugheit), die zu den Tugenden des Verstandes gehört. Diese letztere nämlich erwirbt man sich durch das Studium: jene hingegen “kommt von oben”, wie es der hl. Jakobus ausdrückt. So ist sie auch verschieden vom Glauben. Denn der Glaube nimmt die göttliche Wahrheit so an, wie sie ist: Eigenart der Gabe der Weisheit ist es hingegen, gemäß der göttlichen Wahrheit zu urteilen«“

    • Tarquinius schreibt:

      Natürlich: „…näher als seine beiden Nachfolger…“
      Ich sollte mich wohl besser langsam bettfertig machen… 😉

      • theresia_viasvitae schreibt:

        Ganz herzlichen Dank für Deine guten und ausführlichen Erläuterungen! Danke auch für die Zustimmung wie auch die Ergänzungen! Ich wusste, der hl. Thomas (hier durch den hl. Johannes Paul II. wiedergegeben) könnte auch an dieser Stelle weiterhelfen. Ich harre gespannt der Dinge, die auf Deinem Blog kommen mögen 🙂

  2. Tarquinius schreibt:

    Soetwas besonderes wird es nicht, ich stoße mit meinem Thomaskommentar nur ganz automatisch, zumindest am Rande, auf dieses Problem. 🙂

  3. Pingback: Theologie & Glaube – Wieder etwas Aktuelles von Papst Franziskus | viasvitae

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