Die Kirche als Arbeitgeber – Ein Plädoyer für Entweltlichung

Ich finde es schwierig, dass die Kirche in Deutschland „normaler“ Arbeitgeber ist. Immer wieder begegnen mir entgeisterte Fragen, sogar von Menschen, die bei der Kirche angestellt sind, ob denn bspw. eine Wiederheirat nach Scheidung tatsächlich zum Arbeitsplatzverlust führen würde.

Früher hätte ich den Vergleich mit anderen Firmen gebracht und gesagt, auch bei SIEMENS dürfe man nicht mit seinem ganzen Leben gegen die Firmen-Philosophie stehen, oder man würde über kurz oder lang eine Kündigung erhalten.

Mittlerweile denke ich ein bisschen anders. Diese Kirche, die dort als Arbeitgeber auftritt, bzw. diese Arbeitsfelder, haben häufig (nicht immer!) auch insgesamt nur noch so wenig mit der Kirche als mystischem Leib Christi zu tun, dass es nicht verwunderlich ist, dass die Menschen die Grundkoordinaten der katholischen Glaubens- und Morallehre nicht mehr kennen. Man darf deshalb eigentlich nicht ihnen den Vorwurf machen und Vorträge mit SIEMENS-Vergleichen halten. Denn selbst wenn man ihnen ein bisschen mehr Kirchen- und Glaubensbild vermittelt hätte, bliebe ihr sonstiges Arbeitsfeld ja weiterhin derart wenig vom kirchlichen Geist durchwirkt. Wie sollte sich das also dann auf Dauer halten? Nein, es muss sich prinzipiell etwas ändern. Diese Institution Kirche in Deutschland, die als Arbeitgeberin auftritt und zahlreiche Menschen beschäftigt, die überhaupt keine Ahnung von dem haben, was Kirche eigentlich ist, muss wieder mit der Kirche zusammenkommen, die den Glauben lebt – oder sich gänzlich davon trennen, dann aber nicht mehr „katholisch“ darüber schreiben.

Bischof Oster sagte dazu im Interview mit der Tagespost: „Die Schule, die Frage nach dem Religionsunterricht, die Caritas, unsere Bildungseinrichtungen: Überall stellt sich die Frage, lebt und glaubt ihr auch, was ihr sagt, oder ist die Kirche mehr ein Arbeitgeber oder ein Sozialkonzern, wo man halt seinen Job macht.“

Hier ist das Hauptproblem benannt. Bischof Oster selbst ist skeptisch, dass man es schafft, dass überall „100-Prozent-Katholiken“ arbeiten und bewertet auch den Dienst von Nicht-Glaubenden positiv. Aber er meint, „das, was wir tun, sollen wir vernünftig machen. Und zwar auf der Basis gelebten Glaubens.“

Ich finde, dieses „weniger tun, aber dafür richtig“ hört sich ganz stark nach dem Programm der Entweltlichung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an. Und genau das wäre auch meine Lösung für dieses, wie ich finde, Dilemma. Die Außenwirkung von Kirche wird nur schlechter, wenn sogar Menschen, die explizit für die katholische Kirche arbeiten, an ihrem Arbeitsplatz nichts davon spüren. Dann ist die Kirche tatsächlich eine Institution wie jede andere, dann ist sie tatsächlich komplett verweltlicht und dann ist sie nichts als eine Verlängerung der Leistungs-, anonymen und unbarmherzigen „normalen“ Gesellschaft. Und dann ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn es keine neuen Begeisterungsströme für die Kirche von Kirchenfernen gibt – wo sollten sie Kirche denn kennenlernen?

 

 

Das komplette Interview mit Bischof Oster

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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2 Antworten zu Die Kirche als Arbeitgeber – Ein Plädoyer für Entweltlichung

  1. Anonymous schreibt:

    Ja, stimmt; viele kirchliche Arbeitgeber haben nichts mehr mit ihrem mystischen Leib zu tun. Das trifft vor allem auf die Caritas zu, die offenbar nur unter der Maßgabe von erfolgreichen betriebswirtschaftlichen Ergebnissen existieren darf. Ähnliches trifft auf ausgelagerte Betriebe von Ordensgemeinschaften zu, die nur bestehen um Geld zu verdienen. Außerdem ist seit Jahrzehnten festzustellen, dass sich das Personal auf den mittleren und höheren Ebenen immer mehr aus religiös nicht oder nur marginal gebundenen Personen zusammensetzt. Inhaltlich stehen nur wenige hinter dem, was die Kirche lehrt. – Ich könnte hier viel weiter ausholen, doch ich will den Rahmen eines Kommentars nicht sprengen. Doch ich möchte noch sagen, dass ich nicht Kardinal Marx zustimme, der immer noch eine Volkskirche haben will. Katholische Einrichtungen haben nur dann einen Sinn, wenn sie das explizit katholische Lehren und Leben. Und das bezieht sich auf Kindergärten genauso wie etwa auf Krankenhäuser und Sozialstationen.
    Liebe Grüße!

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar! Ich freue mich über die Zustimmung. An einem Punkt aber muss ich nachhaken, weil ich da schlicht nicht wirklich etwas darüber mitbekommen habe: Inwiefern ist die Forderung nach einer Volkskirche zu der Problematik in Beziehung zu setzen? Was ist damit gemeint und warum wäre es nicht die richtige Lösung? Es würde mich freuen, wenn da noch eine Erläuterung möglich wäre, denn ich finde das Thema wirklich wichtig. Herzliche Grüße zurück!

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