Theologie & Glaube – Zum Tage

Der heutige Gedenktag des hl. Augustinus fügt sich wunderbar in meine frisch eröffnete „Theologie & Glaube“-Kategorie ein.

Vorab: Augustinus ist einer meiner Lieblingsheiligen. Auch wenn ich weiß, dass es, besonders gegen Ende seines Werkes, etwas schwierig wurde im Hinblick auf eine sich dort entwickelnde Prädestinationslehre.

Die Confessiones
Tatsächlich waren Augustins Confessiones der erste universitäre Inhalt, der sich mir bot. Faktisch war ich noch gar nicht an der Universität, sondern noch damit beschäftigt, Latein, Griechisch und Hebräisch zu lernen. Allerdings bot sich mir die Gelegenheit, bereits zu diesem Zeitpunkt einen Lektürekurs über die Confessiones zu besuchen.
Somit waren die Confessiones auch das erste Werk, das ich im Rahmen meines Theologiestudiums las – auch wenn ich mich weigern würde, sie als „theologisches“ Werk zu bezeichnen.
Die Glaubensseite
Eigentlich war es gerade der Stil, diese absolute Ehrlichkeit und Persönlichkeit der im Dialog mit Gott verfassten Schrift, die mich positiver Hoffnung in Bezug auf mein Studium werden ließ. Ich sehe mich noch heute in meinem völlig heruntergekommenen Studentenwohnheimszimmer sitzen, den Text lesen, und dann denken: Unglaublich! Genau so ging oder geht es mir auch! Das, was Augustinus da vor hunderten von Jahren geschrieben hat, ist genau mein Problem bzw. meine Sehnsucht! Das werde ich nie vergessen. Augustinus hat mir in diesem Werk für meinen Glauben viel gegeben, denn ich dachte mir damals, wenn schon ein späterer Bischof mit dem Glaubensalltag zu kämpfen hatte, moralisch ja teilweise sogar höchst unzufriedenstellend lebte, aber sich dennoch die Gotteserfahrung durchgesetzt hat, dann kann mir das nur Mut machen.
Besonders toll fand und finde ich natürlich die tolle et lege-Szene. Zu diesem Zeitpunkt (ich schrieb gestern von den suboptimalen Voraussetzungen meiner Pfarrei und meiner Religionslehrer) hatte ich nämlich auch noch das Gefühl gehabt, in der katholischen Kirche seien derart gefühlsbezogene Gotteserfahrungen oder überhaupt Gotteserfahrungen, die so konkret waren wie dieses „Nimm und Lies“, was der hl. Augustinus vernahm und daraufhin zur Bibel griff, nicht wirklich akzeptiert. Ich hatte insbesondere das Gefühl, wenn ich von „Bekehrung“ sprach, guckten mich Katholiken immer etwas irritiert an – da es aber eine Lücke zwischen meinem Kinder- und meinem auch deutlich entschiedeneren Erwachsenenglauben gab, würde ich auf jeden Fall von Bekehrung sprechen. Der hl. Augustinus nun beschrieb mir ein extrem deutliches Bekehrungserlebnis – wie wunderbar!
So viel zur Glaubensseite – hier hat mir Augustinus sehr viel gebracht  und wird es gewiss weiterhin.
Die Theologieseite
Der Lektürekurs hatte ein philosophisches Interesse und für mich als absoluten Laien (ich hatte zuvor noch keine Minute an einer Universität verbracht) auch einen hohen Anspruch. Es ging viel darum, welche philosophischen Schulen vorkommen und wie sie Augustinus beurteilt. Aber natürlich habe ich damals schon gelernt, dass es an der Universität nicht darum gehen wird, zu sagen, wie man persönlich und im Glauben diesen Text empfunden hat, wie es beispielsweise an einer Bibelschule der Fall sein dürfte. Es ist definitiv eine Spannung, die zwischen der versucht wissenschaftlichen Auseinandersetzung und dem extrem innigen Glaubensmoment Augustins existiert.
Zur Theologie gehört der Glaube
Für mich war aber, glaube ich, von Anfang an klar: Zur Theologie gehört der Glaube. An der Universität kann es (leider ist es häufig) der Fall sein, dass man Glaubenszeugnisse und dergleichen scheinbar unabhängig jedes persönlichen Glaubensmoments analysiert. ABER: Es bin ja ich, die da, zumindest mit-analysiert. Und ich bin gläubige Katholikin. Insofern muss ich auch alles, was ich dort tue, mit meinem Glauben in Beziehung bringen, denn mein Glaube ist ja mein ganzes Leben.
Traurig finde ich an dieser Stelle nur, wenn ich von Studenten mitbekomme, die nie oder selten in die Kirche gehen, keine Bibel besitzen und auch sonst kaum Kontakt zu Möglichkeiten „gelebten“ Glaubens haben. Dort frage ich mich schon, wie diese Einordnung geschehen kann. Denn die muss ich auf jeden Fall machen, muss ich aber sogar auch nach einem geistlichen Vortrag. Denn auch dort geht es um meinen persönlichen Glauben und auch wenn mir bspw. etwas gut gefallen hat, muss es fruchtbar in mein geistliches Leben – häufig unter einiger Anstrengung – integriert werden. Was aber ist insbesondere bei dem Glauben gegenüber destruktiven „Erkenntnissen“ des Theologiestudiums, bspw. aus der Exegese, frei nach dem Motto: „Aha. Hier wieder ein unhistorisches Jesuswort. Das hat er nie gesagt.“ oder wahlweise: „Wir sehen: Hier hat Jesus sich geirrt.“? Das ist schon für mich als Gläubigen schwer, wie machen die das erst?

Ich merke, dieses Thema fließt mir geradezu aus den Fingern…Ich hoffe, die Beiträge hierzu sind nicht zu ausgefranst und noch immer zumindest von geringer Spannung, sodass sie das Lesen nicht gänzlich zäh werden lassen. Auf jeden Fall scheint es mir ein so wichtiges!

Das Wichtigste aber zum Schluss: Sancte Augustine, ora pro nobis.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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9 Antworten zu Theologie & Glaube – Zum Tage

  1. Tarquinius schreibt:

    Da ich keine Geduld habe, versuche ich es doch nochmal unterwegs vom Mobiltelefon… 🙂

    Also, zuallererst vielen Dank für den Beitrag. Der hl. Augustinus ist ebenfalls einer der Heiligen, die ich besonders verehre. Dabei spielten die Bekenntnisse auch eine größere Rolle, die mir recht früh auf meinem geistlichen Weg begegneten, der übrigens, wir mir erst so gerade richtig bewusst wird, auch so langsam nach der Firmung began – ob ich bei mir allerdings von einem Kindglauben sprechen kann, weiß ich nicht so recht.

    Zum Augustin meine ich, vielleicht sehe ich das zu sehr durch die Tradi-Brille und bin da auch zu ungebildet, dass seine Prädestinationslehre vielleicht schwierig ist, wie alles im Spannungsfeld freier Wille und Prädestination schwierig ist…er jedoch zusammen mit dem hl. Thomas die Lehre der Kirche wie kein anderer beleuchtete (Ecclesiae sanctae lumen! 😉 ). Das mag nur nicht mehr sonderlich populär sein, scheint die moderne Theologie doch oftmals tief im Pelagianismus versunken. Ein zeitgenössischer Theologe unseligen Andenkens sah hier einer der größten Probleme der Kirche…

    Ansonsten kann ich Dir nur Recht geben, würde das Gesagte aber auch noch um die Dimension erweitern, dass nämlich Du und deine Kommilitonen einmal Glaubenslehrer sein sollen, und hier ist der Akt, die Tugend des Glaubens offensichtlich ganz zentral. Wer selbst kein Gnadengefäß ist, kann diese auch schlecht vermitteln, es bleibt höchstens ein natürlicher Glaube, kein übernatürlicher, eingegossener. Ich schreibe die Tage auf meinem Blog noch selbst etwas dazu.

    Viele liebe Grüße
    Tarquin

    • theresia_viasvitae schreibt:

      Respekt, für so einen langen Eintrag hätte ich auf dem Mobiltelefon definitiv keine Geduld gehabt 🙂
      Also zunächst einmal danke für Deinen Kommentar! Das, was Du über Augustinus und Thomas schreibst, ist natürlich absolut wahr! Ich wollte mich mit meinem Einschub zu Augustinus, dass er mit der Prädestinationslehre im Spätwerk auch eine nicht ganz unkritische Seite besitzt, v.a. dafür schützen, unreflektiert zu erscheinen, sondern ihn sozusagen um die möglichen Unzulänglichkeiten wissend trotzdem so gut, wie er ist, herauszustellen.
      Ja, definitiv sollte man als Theologe später „Glaubenslehrer“ sein, aber ich muss sagen, gerade das sehe ich bei einigen Kommilitonen nicht. Dort habe ich vielmehr das Gefühl, es fällt schon schwer, das Wort „Gott“ in den Mund zu nehmen (vgl. meine Religionslehrer). Woran es allerdings liegt, dass viele Menschen, die nicht oder nicht überzeugt an Gott glauben, dieses Fach studieren wollen, bleibt mir ein Rätsel. Eigentlich geht dem doch das innige Bedürfnis voraus, den Glauben durchdringen zu wollen…? So tief, wie es nur irgend möglich ist…?
      Ansonsten frage ich mich noch, inwiefern man „Glaubenslehrer“ sein kann…Erstens finde ich die Situation in Deutschland prinzipiell ganz schlecht, um offen über den Glauben zu sprechen – Religion hat Privatsache zu sein. Am schlimmsten ist, wenn man selbst in „kirchlichen“ Kreisen erstaunt angeguckt wird, wenn man vor dem Essen betet…Zweitens finde ich, dass das Katechumenatswesen, dessen zentrale Aufgabe ja die Glaubenslehre ist, in unserer heutigen Zeit viel zu sehr in den Hintergrund gerückt ist. Und die aktuellen Berufe, die die Kirche hierzu bietet, ziehen mich leider auch – gerade wegen ihrer besonderen Gestsaltung – überhaupt nicht an, dafür wird aber gewiss auch noch einmal ein eigener Beitrag nötig sein…
      Ich würde mich sehr freuen, wenn Du selbst etwas über die Thematik schreiben würdest!
      Herzlich
      Theresia

      • Tarquinius schreibt:

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

        Ja, wie man den Glauben weitergeben und fruchtbar machen kann, das frage ich mich natürlich auch schon seit Jahren. Ich will auch gar nicht leugnen, dass die Situation ungünstig ist – andererseits mag man ebenfalls sagen, die Lage sei nie günstig und das Evangelium stoße sich immer an der Welt; schließlich gab es kaum eine Epoche, in der die von apostolischem Eifer durchseelten Hirten nicht von einer ungläubigen Generation sprachen…
        Was ich allerdings mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die Glaubenslehre immer aus der Innerlichkeit kommen muss und niemals ohne diese bestehen kann. Und ich denke, genau davon sprichst Du sehr häufig auf Deiner Seite. Und ganz vielleicht ist diese Weitergabe Deiner Gedanken ja auch schon ein kleiner Teil Deiner Berufung…

        • theresia_viasvitae schreibt:

          Zum ersten Teil: Damit hast Du absolut recht! Der Verweis auf eine schlechte Lage sollte nie Grund sein, das Ausbleiben eigenen Engagements zu rechtfertigen.
          Zum zweiten Teil: Oh, das hoffe ich so sehr! Das war auch einer der Gründe, warum ich diesen Blog gegründet habe. Allerdings kommen wir damit schon ins nächste Thema 😀 Vor kurzem gab es ja den Aufruf zur Teilnahme an der Studie des ZAP Bochum zur Frage des missionarischen Potentials der katholischen Blogger. In diesem Zusammenhang frage ich mich auch immer wieder: Erreichen wir wirklich andere? Kreisen wir nicht häufig um uns selbst? Zwei Einwände gleich von mir, sozusagen als sed contra: Erstens finde ich selbst – und ich denke, das geht anderen auch so – auch als „bereits Glaubender“ viele voranbringende Dinge für mein geistliches Leben in den Blogs, denn wir alle wissen, dass dieser Weg ja nie abgeschlossen ist. Zweitens denke ich, es ist in jedem Fall besser, einen „Glaubens“-Blog zu machen, als keinen zu machen 😀 Aber wie wir generell das „missionarische“ Potential erhöhen könnten und nicht nach außen wie eine Bastion sehr katholischer und einsamer Rufer wirken, würde mich dennoch interessieren.

      • Laetita schreibt:

        Viele (vor allem Lehramts-)Studenten sehen in Theologie nun mal ein einfaches Fach, in dem man leicht seine Scheine bekommen kann und schnell das Studium beendet. Und mal ehrlich? Welchem Relgionslehrer an einer Schule kauft man ab wirklich religiös zu sein und zu glauben? 😉

  2. Andreas schreibt:

    Die Frage nach einer „gefühlsbezogenen Gotteserfahrung“ hat – jedenfalls für traditionsfrohe Kreise – immer ein gewisses G’schmäckle … was natürlich damit zusammenhängt, daß dies einer der Bausteine ist, mit denen in der Wende zum 20. Jahrhundert die Modernisten ihr Modell errichtet haben, und ferner (natürlich gibt es da Zusammenhänge) die Gottesfrage heute gerne auf einen emotionalen Zugang des Individuums verengt oder gar verdünnt wird.
    Andererseits sind wir als Sinnenwesen auf solche Erfahrungen auch angewiesen, und das keineswegs als zweitklassige Glaubenshilfe, sondern weil auch solche Erfahrung genuin in den Glaubensweg gehört. Nur muß sie im Pneuma, welches sich in Schrift und Überlieferung artikuliert, rückgebunden sein. Ist sie das, dann gilt: Accende lumen sensibus!

  3. Tarquinius schreibt:

    Ich schreibe hier, da oben anscheinend die maximal mögliche Anzahl an Unterkommentaren erreicht wurde:
    Du äußerst Gedanken, die ich haargenau so selbst schon hatte und die mich, auch nochmal besonders durch die Umfrage, immer mal wieder bewegten. Eine gute Antwort fehlt mir noch, genauso wie eine Antwort zur Frage, wie überhaupt, auch unabhängig von Blogs, Mission betrieben werden kann. Aber ich denke trotzdem, ein wenig arbeiten wir daran. 😉

  4. theresia_viasvitae schreibt:

    @Laetita: Das mag sein, aber dann muss sich daran etwas ändern! Dann muss diese „Wir-sind-wie-jede-andere-Firma“-Mentalität der Kirche, die ich in meinem gestrigen Beitrag beschrieben habe, überwunden werden. Gerade auch als Arbeitgeber im Bildungsbereich muss die Kirche mehr Kirche sein und dafür sorgen, dass „ihre“ Lehrer auch für das stehen, was sie unterrichten. Es geht nicht um eine umfassende Sozialkontrolle, aber um ein grundsätzliches sentire cum ecclesia. Ich weiß, dass es schwer wäre, die Ausbildung dahingehend zu verändern, aber ich weiß auch, dass der derzeitige Zustand höchst unbefriedigend ist – und darauf möchte ich Aufmerksam machen.

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