Mein Katholikentagsprogramm – 6. Lektüreseminar: Das Wahrheitsverständnis von Joseph Ratzinger

Ein Höhepunkt für mich stellte gewiss das Lektüreseminar über das Wahrheitsverständnis von Joseph Ratzinger am Samstagnachmittag im Institut Papst Benedikt XVI. dar. Wir lasen verschiedene Textausschnitte, die meine Ambitionen, mich mit der Theologie des emeritierten Papstes auseinanderzusetzen, erneut weckten.

In seiner Behandlung der Wahrhaftigkeit des Glaubens kommt Joseph Ratzinger in einem der Texte, der Predigt der „Missa pro eligendo Romano Pontifice“, zur Frage nach einem mündigen Glauben.

Bei dieser Frage könnte man nun meinen, ein mündiger Glaube sei einer, der sich ganz besonders in der säkularen Welt bewährt. Der dazu befähigt, in der Gesellschaft verantwortungsvoll zu handeln und dabei vielleicht gerade Glaubensinhalte zurückstellt. Eventuell könnte man mit einem reifen Glauben assoziieren, dass er das kindliche Vertrauen in Gott vernachlässigen müsste und sich vielmehr auf die vernünftigen sozialen Aspekte zu konzentrieren hätte, die der christliche Glaube mit sich bringt, ohne jenen explizit zu benennen. Schließlich könnte man mit einem erwachsenen Glauben einen Glauben verbinden, der rein philosophisch ist und scheinbar irrationale Glaubensinhalte hinter sich lässt.

Joseph Ratzinger hingegen stellt in seiner Predigt als erstes und wichtigstes Element heraus: „…erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist.“ (Auszug aus seiner Predigt vom 18. April 2005, Missa pro eligendo Romano Pontifice)

Das finde ich wirklich beeindruckend! Ein Glaube ist dann erwachsen, wenn er in einer tiefen Freundschaft mit Christus gründet. Was für eine Aussage, die sich doch scheinbar gegen alle Erwartungen richtet, die man an den Begriff eines reifen, mündigen Glaubens hat. Aber es ist laut Ratzinger eben jene Freundschaft mit Christus, die uns als Kriterium hilft, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden.

Erwachsen ist ein Glaube nicht, wenn er sich durch eine scheinbar gegen den Glauben gerichtete Vernunft von Glaubensinhalten verabschiedet, sondern wenn er in der engsten mit Christus möglichen Verbindung gründet. Aus dieser engen Verbindung ergibt sich die Reife des Glaubens.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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