Mein Katholikentagsprogramm – 3. Vortrag: Überleben in der Wüste. Geistliche Grundlagen des Eremitentums

Den Vortrag bei Marianne Schlosser, Professorin für Theologie der Spiritualität in Wien, habe ich sehr genossen. Nicht zuletzt deswegen, weil sie mit ihrer Person ausstrahlte, dass sie das, wovon sie redet, selbst verinnerlicht hat. Sie hatte eine große Ruhe bei ihren Ausführungen und so konnte man sehr gut zuhören und zugleich die Authentizität ihrer Rede bemerken.

Gleich zu Beginn betonte sie, dass die Einsamkeit mit Gott eine andere Einsamkeit als eine „säkulare“ ist. Diesen Gedanken finde ich sehr wichtig.

In ihrem ersten Teil machte sie einen geschichtlichen Überblick und fragte danach, warum es dazu kam, dass Menschen sich dazu entschlossen, in die Einsamkeit zu gehen, um Eremit zu werden. Eindeutig ging es dabei um die Nachfolge Christi. Insbesondere nachdem sich das Christentum als Staatsreligion etabliert hatte, hatte man eine Sehnsucht danach, das Christentum wieder als etwas Besonderes zu leben. Es sollte etwas kosten, nicht einfach der bürgerlichen Identität entsprechen. Hier fügte sich das eremitische Leben mit seiner Betonung von Buße und Umkehr wunderbar ein.

Ein weiterer sehr wichtiger ihrer Gedanken zum allgemeinen Wesen des Eremitentums war, dass ein Eremit nicht in die Einsamkeit geht, weil er die anderen Menschen verachtet. Vielmehr weist sein Herz eine große Weite auf und er sieht im anderen Menschen das, was von Gott kommt.

Als ein Wesensmerkmal hob sie außerdem die Wachsamkeit hervor, die in den Eremitenzellen praktiziert wird. Die Überzeugung, dass der HERR wiederkommen wird, geht in der Welt allzu leicht unter. Der Eremit übt sich dagegen darin, allzeit auf Gott ausgerichtet zu sein.

Schließlich möchte ich noch anführen, in diesen wirklich nur holzschnittartigen Zusammenfassungen ihres überaus fundierten und deutlich umfangreicheren Vortrags, dass sie als ein Ziel des Eremtientums die Selbsterkenntnis ansah. Nun wäre es jedoch wichtig, nicht bei dieser Selbsterkenntnis stehenzubleiben, die zu Demut führt, sondern, so betonte sie, auf Gott zu vertrauen. Dieses Gottvertrauen würde dann wiederum zu Barmherzigkeit führen, die besonders in Bezug auf andere Menschen so eminent wichtig ist.

Gerade die letztgenannten Punkte, aber auch die grundsätzliche Betonung der Einsamkeit, in der man sich von nichts ablenken lässt und allein auf Gott schaut, nehme ich aus ihrem Vortrag auf fruchtbare Weise mit und bin mir sicher, dass sie auch in einem alltäglichen Leben von größter Bedeutung sind.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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