Stammeln vor Gott

Gestern in der Vorabendmesse wurde zum Gloria das „Ehre sei Gott in der Höhe“ (im neuen Gotteslob Nr. 413) gewählt. An dieser Stelle sei ein kurzer Hinweis gestattet, dass es natürlich immer angemessen – aber paradoxerweise äußerst selten ist – die Texte aus dem Ordinarium missae zu verwenden.

Dennoch hat mich der von Johann Philipp Neumann gedichtete Text, bewusst wahrgenommen, ziemlich angesprochen. Er weist darauf hin, wie in den himmlischen Höhen Gott gelobt wird und zieht daraus die eigentlich einzig mögliche Konsequenz: Im Vergleich zu den Chören der Engel und jenen, die schon zur Seligkeit Gottes gelangt sind, können wir irdische Menschen eigentlich nur eines: stammeln. So heißt es im Text, nachdem von dem „Ehre sei Gott in der Höhe“ berichtet wurde, das im Himmel gesungen wird, dass auch wir dieses nicht etwa singen, sondern stammeln würden.

Die Konsequenz, dass wir nie an das Lob heranreichen können, das im Himmel Gott zuteilwird, führt nun jedoch nicht dazu, dass wir es gar nicht erst versuchten oder es aufgäben. Im Gegenteil, der Text von Johann Philipp Neumann ist von keinem geringeren als Franz Schubert vertont worden. Das bedeutet, dass wir das melodiöseste, beste, schönste, sinnenfälligste, wertvollste mobilisieren sollen, um es für Gottes Lob zu verwenden. Dabei dürfen wir uns dann aber nicht in unsere eigene Schaffenskraft verlieben und uns rein innerweltlich an schönen Kirchen und gutem Gesang erfreuen. Vielmehr sollte uns immer wieder bewusst werden, dass alles, was wir mit großem Aufwand vor Gott hinbringen, letztlich nur ein Stammeln sein kann.

Wie Schubert dieses Stammeln dann melodiös und singbar vertonte, so möchte auch ich nicht bei der Erkenntnis stehenbleiben, dass unser Lob nur ein brüchiges ist. Obgleich wir vor der Größe der Werke Gottes nur staunen und uns klein fühlen können, sollten wir dennoch versuchen, alles Menschenmögliche für seine Ehre zu tun. So heißt es am Ende der ersten Strophe:

Staunen nur kann ich und staunend mich freun, Vater der Welten, doch stimm ich mit ein: „Ehre sei Gott in der Höhe!“

Advertisements

Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s