Glaube & (weltliche) Literatur

Auf dem News-Ticker von katholisch.de habe ich heute gelesen, dass die Lieblingsbücher von Papst Franziskus in einer Reihe erscheinen werden. Das bringt mich direkt dazu, über die Frage des Verhältnisses von weltlicher Literatur zu unserem Glauben zu schreiben.

In einer Predigt in der Theatinerkirche in München wurde einmal von einem Traum des Hl. Hieronymus erzählt. Dieser beschäftigte sich mit den großen (heidnischen) Philosophen und wurde in jenem Traum von einem Engel vor den Richterstuhl Gottes geführt und gefragt, was er sei. Er antwortete, dass er Christ sei. Darauf wurde ihm geantwortet: „Du lügst, Du bist ein Ciceronianer, denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.“ Nach diesem Traum, so wird gesagt, beschloss der Hl. Hieronymus, sich nicht mehr mit weltlichen Büchern, sondern nur noch mit der Hl. Schrift auseinanderzusetzen.

Mich hat diese Erzählung sehr herausgefordert. Ich lese sehr gerne, auch weltliche Romane, frage mich aber durchaus hin und wieder nach der Vereinbarkeit mit dem Glauben. Dies tue ich freilich vor allem dann, wenn die Inhalte bspw. eindeutig atheistisch oder sonst wie vom Glauben wegführend sind oder zumindest so wirken.

Die Art, wie es dem Hl. Hieronymus erging, scheint mir sehr radikal. Er beschloss, sämtliche Beschäftigung mit weltlicher Literatur zu beenden. Papst Franziskus hingegen wird in Zukunft für eine Bücherreihe stehen. Wie soll man diesen beiden Positionen begegnen?

Ich fürchte, ich kann diese Verhältnisbestimmung nicht umfassend lösen. Sicher bin ich jedoch, dass ich auch schon „weltliche“ Bücher gelesen habe, die, ob sie es wollten oder nicht, meinen Glauben positiv beeinflusst haben, insofern sie mir bpsw. offene Augen für eine bestimmte Fragestellung geschenkt haben. Sicher bin ich aber auch, dass ich allzu schnell dabei bin, andere Dinge jenen vorzuziehen, die sich dezidiert mit dem Glauben beschäftigen.

Darum scheint mir der zweite Teil der Antwort an Hieronymus, die zitierte Bibelstelle, sehr wichtig: „Denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz“. Literatur muss in jedem Fall reflektiert und nicht unkritisch aufgenommen werden, vor allem aber darf sie nicht die Beschäftigung mit dem Glauben ersetzen oder verdrängen.

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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Eine Antwort zu Glaube & (weltliche) Literatur

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