Gregorianischer Choral & Ikebana

Vor Kurzem machte ich mich auf die Suche nach Kursen im Gregorianischen Choral. Ich liebe diese Musik und freue mich sehr, wann immer sie in der Liturgie verwendet wird. Gerne würde ich meine eigenen Fähigkeiten im Singen des Chorals, speziell auch in Bezug auf die einzelnen Elemente der Notation, verbessern. Also gab ich die Suchbegriffe „Choral“, „Kloster“ und „Kurs“ bei Google ein und fand auch alsbald ein entsprechendes Angebot. Beim zweiten Hinsehen wurde mir klar, dass dort der Choral mit Meditation ergänzt wird. Der Tagesablauf lautete in etwa: Meditation, Gregorianischer Choral, Essen, Gregorianischer Choral, Meditation, Essen, etc. Ich frage mich, wieso nicht, wie es doch ohnehin wunderbar zum Choral passen würde, einfach die Stundenliturgie gefeiert wird? Noch ungewöhnlicher fand ich allerdings die weiteren Angebote, die neben dem Gregorianischen Choral angeboten wurden: Afrikanische Trommel, Ikebana und Sakraler Tanz. Es schien, als würde dieses einem Orden unterstellte Haus praktisch keine dezidiert christlichen Kurse beinhalten. Ich verstehe das Anliegen, allen Menschen, unabhängig von ihrem Glauben, eine Auszeit anbieten zu wollen. Ich denke jedoch auch, dass wir als Kirche in jedem einzelnen unserer Häuser aufpassen müssen, dass wir den Kern des Glaubens nicht aus den Augen verlieren. Genau an jenem Abend, an dem ich das Haus mit diesem besonderen Kursprogramm entdeckt hatte, kam ich in dem aktuellen Buch von Gerhard Lohfink zu folgender Stelle, an der dieser sich mit dem Werbetext eines ähnlich gestrickten Exerzitienhauses auseinandersetzt: „Ich habe grundsätzlich nichts gegen Tanz, nichts gegen Meditation, nichts gegen Schweigen, auch nichts gegen vegetarische Kost. Aber in einem Exerzitienhaus geht es doch wohl nicht darum, „bei sich selbst anzukommen“, sondern beim Willen Gottes anzukommen. Im Allgemeinen sind das „Ich“ und der „Wille Gottes“ ziemlich weit voneinander entfernt. Der Wille Gottes ist gebunden an eine konkrete Geschichte von Abraham bis Jesus und weiter über die Geschichte der Kirche bis zu uns heute. Diese Geschichte kann nicht durch einen „göttlichen Kern“ in uns ersetzt werden.“(1) Wie wunderbar es sich gefügt hat, dass ich ausgerechnet an jenem Abend auf diese Seite des Buches kam. Für mich beschreibt die Stelle exakt das Problem. Denn zuallererst bei mir selbst merke ich, wie wichtig es ist, sich immer wieder nach dem Willen Gottes auszurichten. Exerzitienhäuser und sonstige von Orden betriebene Einrichtungen wünsche ich mir dabei als Orte, die mir helfen können, aus der Mittelmäßigkeit meines Alltags auszubrechen und mich wieder auf Gott auszurichten. Solche Orte sollen gerade eine Alternative zu unserer das Subjekt betonenden Bedürfnisgesellschaft darstellen und nicht in den Trend all jener Modespiritualitäten einsteigen, in denen es vor allem darum geht, sich selbst zu finden, aber nicht Gott.

 

(1) Lohfink, Gerhard, Gegen die Verharmlosung Jesu. Reden über Jesus und die Kirche, Freiburg – Basel – Wien 2013, S. 254

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Über theresia_viasvitae

Ich bin Mitte 20, studiere Theologie & Romanistik und möchte mit diesem Blog vor allem Glaube & Alltag bzw. Glaube & Theologie (so paradox das klingen mag) verbinden. Mehr dazu im "About".
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2 Antworten zu Gregorianischer Choral & Ikebana

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